Einf√ľhrung

In der Schule wurde uns Geschichte beigebracht. Es schien unm√∂glich, sie zu √§ndern: Niemand kann die Vergangenheit √§ndern. Wissenschaft hilft uns jedoch, sie anders zu verstehen. Geschichte folgt keinen naturwissenschaftlichen Gesetzen. Etymologisch bedeutet sie ‚ÄěUntersuchung‚Äú. Wie alle literarischen Disziplinen hat sie ihre eigenen Str√∂mungen und Tendenzen, die manchmal aufeinanderprallen.  

Im zwanzigsten Jahrhundert beschloss die ‚ÄěSchule der Annalen‚Äú sich mit der Geschichte der Menschen zu besch√§ftigen und sie vor Nationen, Schlachten oder f√ľrstliche Ahnenforschung zu stellen. Das Ergebnis war eine ganz andere Art universit√§rer Ausbildung. Leider wurden unsere Lehrb√ľcher kaum dadurch inspiriert. Es scheint, als ob die Wahl der Inhalte vor allem auf politischen Zielen beruht: Der Unterricht der j√ľngeren Geschichte variiert von Land zu Land und zielt immer darauf ab, eine geeinte Nation zu verherrlichen, die stolz auf ihre Vergangenheit ist.

F√ľr ein Kind, das in Frankreich zur Schule geht, werden die Antike und das R√∂mische Reich als eine Abfolge von Schlachten und K√§mpfen zwischen ein paar Monarchen zusammengefasst. Die Lehrer erz√§hlen nichts √ľber China, die Slawen oder Afrika zu dieser Zeit. In der Jungsteinzeit konzentriert man sich auf den Fruchtbaren Halbmond. Die V√∂lker des Indus oder Mesoamerikas gab es nicht. Was die Pr√§historie betrifft, haben so viele neue Entdeckungen Licht auf sie geworfen, dass das Wissen eines vor zwanzig Jahren ausgebildeten Professors teilweise veraltet ist. In der Tat setzen sich die Naturwissenschaften gegen√ľber historischen Ann√§herungen durch. Sie bringen neues und immer umfangreicheres Wissen hervor. Vielleicht √§ndert sich die Geschichte doch noch?

Ende des 19. Jahrhunderts gaben die meisten Historiker nach hitzigen Debatten angesichts der Beweise der Geologie schlie√ülich zu, dass das Eis Westeuropa in der Steinzeit bedeckt hatte. Ende des 20. Jahrhunderts beugten sie sich den Beweisen der Palynologie und akzeptierten, dass die Laubb√§ume der franz√∂sischen W√§lder langsam aus dem heutigen China migriert waren. Zu Beginn unseres - noch jungen - 21. Jahrhunderts r√ľtteln Genetik und Klimatologie an den etablierten Dogmen.

Vielleicht sollte auch der Geschichtsunterricht wissenschaftlich auf den neuesten Stand gebracht werden? Als Kinder haben wir Schlachtendaten und Ahnenforschung aufgesagt. Unser Geschichtslehrer lehrte uns: ‚ÄěIm Jahre 105 v. Chr. wurde die r√∂mische Armee bei Arausio von den Barbaren besiegt.‚Äú Er sagte uns nicht, warum die Kimbern, Germanen und alle V√∂lker von den Ufern der Ostsee nach S√ľden zogen. Wahrscheinlich wusste er, dass es eine V√∂lkerwanderung war, da sie mit ihren Waffen, Familien und Herden vorr√ľckten. Aber wie h√§tte er uns lehren k√∂nnen, dass diese Menschen vor wiederholten katastrophalen √úberschwemmungen fl√ľchteten, von denen wir erst im Jahr 2015 erfahren haben?


Toba

Sobald Paläontologen zu einer Ausgrabungsstätte kamen, suchten sie nach einem erkennbar zusammenhängenden Merkmal: eine schwarze Schicht von neun Metern Dicke in Indonesien, die sich an den Polen auf wenige Millimeter ausdehnt. In der Chronologie der Sedimentablagerungen steht ein Datum, das alle Spezialisten kennen: 74.000 Jahre vor Christus. Zu dieser Zeit brach ein gigantischer Vulkan aus: Er hieß Toba. Die Asche, die aus seinem Krater quoll, bedeckte den gesamten Erdball. Ihre Ablagerung bildete das letzte Überbleibsel einer Explosion, die unsere Spezies fast auslöschte.

Bei seiner Besiedlung des Globus ist der Mensch sicherlich inkonsequent gewesen. Ihm wird nun vorgeworfen, seinen Planeten besch√§digt zu haben. Man kann wohl sagen, dass er bis vor kurzem aus Unwissenheit ges√ľndigt hat. Der Stolz des Homo sapiens-sapiens ist noch j√ľngeren Datums. Wir betrachten uns erst seit sehr kurzer Zeit als Besitzer des Planeten: weniger als drei Sekunden, wenn der erste Homo vor vierundzwanzig Stunden erschienen w√§re.

Vorher f√ľrchtete der Mensch die Natur. Er hatte aus Erfahrung Angst vor ihr. Wirbelst√ľrme, Erdbeben oder Vulkanausbr√ľche haben Spuren in unserem kollektiven Ged√§chtnis hinterlassen. Ihre Gewalt erlitten wir mit Ohnmacht und Unverst√§ndnis. B√∂se G√∂tter wurden erfunden und wir begannen, diese Kataklysmen ihrem Zorn zuzuschreiben. Das zwang uns in die Knie. Dann verbanden wir unsere Wunden. Unser √úberlebensinstinkt ist mehr als blo√üe Verzweiflung. Unsere immense Anpassungsf√§higkeit brachte uns wieder auf die Beine. Unsere kollektive Intelligenz half uns, vorw√§rts zu kommen.

Auf Sumbawa war die Eruption des Toba so gewaltig, dass die menschliche Spezies fast verschwand. Wir waren mehr als eine Million Humanoide, dreitausend √ľberlebten.

Ein Vulkan mit einem Krater

Alles beginnt mit einer Magmas√§ule, die aus den Eingeweiden der Erde aufsteigt. Oft bleibt dieses geschmolzene Gestein einige hundert Kilometer unter der Oberfl√§che stehen. Dort kann es f√ľr Jahrtausende stagnieren. Manchmal setzt es seinen Weg an die Oberfl√§che fort: das ist die Eruption. Wenn sich die Magmas√§ule nicht √∂ffnet, bildet sie einen Hot Spot, der die umliegenden Mineralien zum Schmelzen bringt. Im Innern der Erdkruste bildet sich ein unterirdischer See. Dieses Reservoir aus durch Hitze geschmolzenem Gestein w√§chst langsam an. An der Oberfl√§che sehen wir nichts. Keine verd√§chtige Hitze, die uns alarmiert. Kein Erdbeben ersch√ľttert unsere Seismographen. Ein paar Kilometer unter der Erde w√§chst der See aus Magma. Sein Inhalt ist so schleimig, so dick, dass er Gase einschlie√üt. In ein paar tausend Jahren wird der Druck kolossal. Wenn er zu stark ansteigt, kommt es zur Explosion. Die Energie ist gigantisch und zertr√ľmmert das Gew√∂lbe des unterirdischen Sees. Der Krater kann einen Durchmesser von bis zu 100 Kilometern erreichen. Der aufgestaute Druck l√∂st Eruptionen aus, die hundert- bis tausendmal st√§rker sind als die von herk√∂mmlichen Vulkanen.

Der letzte explodierte Krater-Vulkan war relativ klein. Seine Eruption fand 1991 auf den Philippinen statt. Der Pinatubo t√∂tete nur tausend Menschen, schleuderte nur eine Milliarde Kubikmeter Gestein aus, sein Krater hatte nur einen Durchmesser von 2,5 km und seine Explosion k√ľhlte die Erde zwei Jahre lang nicht einmal um einen Grad ab.

Toba hatte eine ganz andere Dimension. Sein Krater erreichte 80 km. Seine Explosion vernichtete beinahe die menschliche Spezies.

Die Eruption dauerte fast zwei Wochen. 8.000 Milliarden Tonnen Gestein wurden in den Weltraum katapultiert und 10 Milliarden Tonnen Schwefels√§ure begleiteten sie. Die Explosion war so heftig, dass sie alles √ľber die Troposph√§re hinaus in die stratosph√§rische Ozonschicht schleuderte. Gl√ľcklicherweise liegt Sumbawa im Bereich der Passatwinde. Die riesige Wolke, bestehend aus 8 Millionen Tonnen Asche, die jede Sekunde aus dem Schlund des Vulkans aufstiegen, wurde nach Westen gedr√ľckt. Die s√ľdlichen Passatwinde hinderten sie zun√§chst daran, den √Ąquator zu √ľberqueren. Ab 6.000 Metern √ľber dem Meeresspiegel zerstreuten starke Winde aus der oberen Atmosph√§re die Asche vor allem nach Norden und Osten.

N√∂rdlich des √Ąquators war die Atmosph√§re mit einer dicken Schicht aus vulkanischem Staub gef√ľllt. Diese breitete sich langsam aus. In zwei Monaten bedeckte sie den gesamten Globus. Unser ‚Äěblauer Planet‚Äú wurde braun. Die Ausw√ľrfe von Toba kreisten um ihn herum und bildeten eine dichte, undurchsichtige Schicht. Die Asche blockierte 80 % der Sonneneinstrahlung. Schwefels√§ure in Verbindung mit Ozon bildete einen perfekten Schutzschild. Keine Sonnenstrahlen erreichten den Boden der Erde. Allm√§hlich wurde der Tag zur Nacht. Nach zwei Jahren war es komplett dunkel. Dann begannen wir die Sonne nach und nach zu erkennen. Es dauerte sechs Jahre, bis wir sie am helllichten Tag sehen konnten.

W√§hrenddessen setzte auf der Erde eine intensive K√§lte ein. Der schreckliche vulkanische Winter wurde immer schlimmer. Die Meerestemperaturen sanken um 3,0 bis 3,5 ¬įC. Die terrestrischen Temperaturen st√ľrzten ab: Die gem√§√üigten Regionen der n√∂rdlichen Hemisph√§re erlitten einen R√ľckgang von 15 ¬įC bis 17 ¬įC. Indem der Ausbruch des Toba die bereits einsetzende Abk√ľhlung des Klimas noch verst√§rkte, l√∂ste er unmittelbar eine Vergletscherung aus: die W√ľrm-Kaltzeit.

Es war die größte vulkanische Explosion der letzten 100.000 Jahre. Sie hatte tiefgreifende Auswirkungen auf alle Lebewesen.

Die Photosynthese von Pflanzen nimmt um 85 % ab, wenn die Lichtintensit√§t um 10 % sinkt. Sie nimmt auch ab, wenn die Temperaturen sinken. Da 80 % der Sonnenstrahlen blockiert wurden, ging die Photosynthese praktisch gegen Null. Das zerst√∂rte die tropischen W√§lder. In den gem√§√üigten Zonen starben die meisten Laubb√§ume ab und nur die H√§lfte der immergr√ľnen B√§ume √ľberlebte. In den Meeren wurde das Plankton selten. Im Indischen Ozean wurden f√ľnf Millionen Quadratkilometer an Unterwasserleben vernichtet. Der Monsun schw√§chte sich erheblich ab. Die intertropische Zone erlebte eine verheerende D√ľrre. Pflanzenfresser starben nach dem Verschwinden ihrer Weidefl√§chen zu Millionen aus. In Ermangelung ihrer √ľblichen Beute fra√üen sich die Fleischfresser gegenseitig auf. Es handelte sich um eine relativ neue S√§ugetierart: Homo sapiens. Sie verschwand fast vollst√§ndig.

S√ľdlich des √Ąquators hatten die Passatwinde die Troposph√§re vor Aschewolken gesch√ľtzt und die thermische Masse der Ozeane verhinderte, dass die Temperaturen zu heftig fielen. Die Gorillas und Bonobos n√∂rdlich des √Ąquators verschwanden, im S√ľden √ľberlebten die in Katanga. Im √∂stlichen Zentralafrika passten sich die Hominoiden an die K√§lte an.

Unterhalb des √Ąquators, in den Hochebenen Ostafrikas, blieben Pflanzenarten √ľbrig, die in ihrer Evolution bereits die Strapazen der Eiszeiten erlebt hatten. Weniger Asche bedeutet weniger Verschmutzung in den Fl√ľssen und die Tiefe der ostafrikanischen Seen verd√ľnnte den sauren Regen ausreichend, um das Wasser frisch zu halten. Einige dieser Arten, gro√üe Strauchfarne zum Beispiel, √ľberstanden einen Temperaturabfall von 7 ¬įC. Tiere, deren Behausungen tiefe H√∂hlen waren, zitterten zwar, √ľberlebten aber. Der Homo sapiens stellte ‚ÄěKleidung‚Äú aus Tierh√§uten her. Mit der Hilfe des Feuers √ľberlebte er.

√úberlebende des Toba-Ausbruchs

Vor langer Zeit hatte die Photosynthese der Pflanzen dazu gef√ľhrt, dass die Erdatmosph√§re mit Sauerstoff ges√§ttigt war. Dies war zum Nachteil bestimmter Lebewesen, die dieses Gas nicht vertragen konnten. Es kam zu Symbiosen. Einige anaerobe Organismen verschmolzen mit anderen, die Sauerstoff vertragen konnten. Vor allem die Mitochondrien wurden vergiftet. Sie fanden aufnahmebereite Zellen und passten ihre DNA an, um sich gleichzeitig mit ihrer Wirtszelle zu vermehren. In jeder Zelle eines jeden S√§ugetiers sind sie zu finden. Sie sind f√ľr die Umwandlung von organischen Molek√ľlen in Energie zust√§ndig. Bei der menschlichen Fortpflanzung werden sie nur durch Eizellen √ľbertragen, daher ist die mitochondriale DNA eines Menschen streng identisch mit der seiner Mutter. Durch das Studium von Stammb√§umen konnten wir nachweisen, dass alle Mitochondrien in unseren Zellen von denselben St√§mmen stammen. Alle stammen aus Afrika s√ľdlich der Sahara.

Es ist schwierig, die genaue Anzahl der √úberlebenden des Toba-Ausbruchs zu bestimmen. Die offizielle Theorie besagt, dass nur der Homo sapiens unterhalb des √Ąquators, in √Ąthiopien, Kenia und Tansania, √ľberlebt hat. Neuere genetische Studien haben gezeigt, dass auch einige Neandertaler, Denisova- und Flores-Menschen der eisigen K√§lte und der Nahrungsknappheit in absoluter Not und Angst vor dem sich verdunkelnden Himmel widerstanden haben. Es ist jedoch der Homo sapiens, der in gr√∂√üerer Zahl √ľberlebte. Je nach den angenommenen Hypothesen waren es zwischen 40 (Harpending, 1993) und 10.000 (Ambrose, 1998) √úberlebende: die ‚Äěmitochondrialen Bienen‚Äú. Bei einer Population von etwa 500.000 Frauen vor der Eruption ist das immer noch winzig. Die am meisten akzeptierte Sch√§tzung geht von 500 Sapiens-Frauen im geb√§rf√§higen Alter aus, also 3.000 √úberlebenden, und etwa 100 Neandertalern und Denisovas.

Mit anderen Worten: 99,7 % der Menschen sind wohl gestorben. Sie w√§ren im Wesentlichen an K√§lte und Hunger gestorben. √úber das gesamte Land hinweg verschwanden Pflanzen und Tiere in √§hnlichen Proportionen. Die mitochondriale DNA-Analyse heutiger Schimpansen hat zum Beispiel gezeigt, dass sie alle von zwei St√§mmen abstammen. Einer war im Hochland von Uganda beheimatet, der andere kam aus dem Osten der Demokratischen Republik Kongo, s√ľdlich des √Ąquators. Nach diesem Kataklysmus begannen die Menschenaffen ihre Wanderung nach Westen in Richtung der W√§lder Zentralafrikas.

Der Homo sapiens wanderte in alle Richtungen, seine größte Wanderung ging nach Norden. Im Laufe seiner Eroberung der Länder der Welt wird er jedes Mal die Überlegenheit seiner schöpferischen Fähigkeiten beweisen, indem er neue Nahrungsquellen, neue Strategien, neue Verfahren und neue Werkzeuge entdeckt. Die Überlebenden kolonisierten zunächst Ostafrika und zerstreuten sich dann. Aber die aggressive Haltung, die der Eroberung von Territorien durch die Hominoiden zugrunde lag, unterschied sich grundlegend von der gemächlichen Wanderung der Menschenaffen.

Die √úberlebenden der Eroberung der Welt

Von den Gro√üen Seen aus folgte der Homo sapiens der Linie des Hochlandes, von S√ľden nach Norden, von Kenia nach √Ąthiopien. Vegetation und Fauna erholten sich. Er ging den Nil nach Norden entlang und √ľberquerte die Sinai-Halbinsel. Dann wandte er sich nach Osten und breitete sich √ľber den gesamten Globus aus. Mit der Zeit verbesserte sich die Qualit√§t seiner Werkzeuge. Seine Kleidung wurde effektiver. Die Beherrschung des Feuers zeichnete ihn aus. Je mehr wir seiner Spur bei seiner erobernden Expansion nach Norden folgen, desto raffinierter wird seine Technologie. Nachdem er Afrika nach Toba verlassen hatte, passte sich der Homo sapiens an alle Situationen an. Er brauchte vierzigtausend Jahre, um sein Territorium auf jeden Winkel der Welt auszudehnen. Kein anderes S√§ugetier war jemals in der Lage, eine solch erstaunliche Anpassungsf√§higkeit zu demonstrieren. Er kam von s√ľdlich des √Ąquators. Er wusste, wie man Rentiere am Polarkreis h√§lt. Er erfreute sich an s√ľ√üen Larven, er lernte, wie man Haie mit einem Speer t√∂tet, er lebte vom Jagen und Sammeln und wollte Millionen von Quadratkilometern mit Gr√§sern bepflanzen.

Innerhalb weniger Jahre wurden die Hominoiden von einer bl√ľhenden zu einer bedrohten Spezies. Innerhalb von ein paar Jahrtausenden wurden sie durch ihre Anpassungsf√§higkeit zu Eroberern. Noch ein paar Dutzend Jahrtausende und der Erfindergeist der Menschen w√ľrde alle S√§ugetiere der Welt beherrschen.

Was w√§re, wenn Toba heute ausbrechen w√ľrde?

Gl√ľcklicherweise bleiben Krater-Vulkane sehr selten. Die meisten abrupten Klimaver√§nderungen in den letzten Jahrtausenden waren auf vulkanische Aktivit√§ten zur√ľckzuf√ľhren. In den letzten 100.000 Jahren gab es nur wenige. Und abgesehen von Asteroideneinschl√§gen waren alle das Werk von Krater-Vulkanen. So hatte der Ausbruch des Tambora im Jahr 1815 ein ‚ÄěJahr ohne Sommer‚Äú ausgel√∂st. Vor 3.650 Jahren explodierte die Insel Santorin und setzte der kretischen Zivilisation ein sofortiges Ende.

Die Erde dreht sich in f√ľnfzigtausend Jahren auf einer sich st√§ndig ver√§ndernden Umlaufbahn von einem perfekten Kreis zu einer langgestreckten Ellipse um die Sonne. 76.000 Jahre nach dem Toba-Ausbruch ist unser Planet seinem Stern viel n√§her. Er dreht sich derzeit praktisch im Kreis: Er ist st√§rker erhitzt. Au√üerdem dreht sich der Globus um sich selbst, um eine geneigte Achse, die durch seine beiden Pole verl√§uft. Die Neigung dieser Rotationsachse in Bezug auf die Sonne bedeutet, dass heute die Sommer auf der Nordhalbkugel weniger hei√ü und die Winter weniger kalt sind. Schlie√ülich befinden wir uns nicht mehr in einer Eiszeit oder wenigstens nicht in einer glazialen Zeit.

Wenn der Toba-Krater-Vulkan jetzt explodieren w√ľrde, w√§ren die Auswirkungen ganz anders. Der Vulkan w√ľrde Milliarden von Tonnen an Auswurf in die Stratosph√§re schleudern. Es w√ľrde sich eine dicke Schicht aus Asche und Schwefels√§ure bilden, die die Sonne verdecken w√ľrde. Die Durchschnittstemperaturen auf der Erde w√ľrden nur um 10 ¬įC sinken. Nach zehn Jahren w√ľrde diese globale Abk√ľhlung nur noch zwei Grad betragen. Die Niederschlagsmenge w√ľrde f√ľr mehrere Jahre um etwa 45 % abnehmen. Diejenigen, die √ľber finanzielle Mittel verf√ľgen, k√∂nnten die pl√∂tzliche K√§lte ertragen: Sie w√ľrden w√§rmere Kleidung kaufen, mehr heizen und teuer f√ľr frisches Wasser und Lebensmittel bezahlen. Um eine konkretere Gr√∂√üenordnung zu nennen: Ein Einwohner von Neapel wird zwei Jahre lang wie im Winter in Montreal leben m√ľssen und dann etwa zehn Jahre lang wie jemand, der in Hamburg lebt. Zwei Jahre ununterbrochene Nacht und intensive K√§lte werden seine Moral untergraben. Der intensive und √ľberall vorhandene Staub, der sich sogar in seinen Bronchien ablagert, wird ihn vielleicht gesundheitlich beeintr√§chtigen. Einige Aschesch√§den werden die Dinge verkomplizieren: Hausd√§cher und Stromleitungen werden unter dem Gewicht zusammenbrechen. Die Verkehrsverh√§ltnisse werden schwieriger. Es ist wahrscheinlich, dass die Rohre in Neapel weniger isoliert sind als in Montreal: sie werden platzen. Es wird in Italien nur eine begrenzte Anzahl an Schneepfl√ľgen geben. Die Belastung wird schwer zu ertragen sein. Es wird aber keine Gefahr f√ľr das √úberleben des Neapolitaners bestehen: die K√§lte wird ihn nicht t√∂ten. Ein Mensch, der heute in Moskau lebt, wird wahrscheinlich mehr Schwierigkeiten haben, sich an einen Temperatursturz von etwa 15 Grad anzupassen. Er wird sich vielleicht zu einer Klimaauswanderung in Richtung S√ľden hinrei√üen lassen. Ein Bewohner hoher Breitengrade, der nicht die finanziellen Mittel hat, sich vor der K√§lte zu sch√ľtzen, wird in Gefahr sein.

Die Position der Erde relativ zur Sonne ist viel g√ľnstiger als vor 76.000 Jahren. Was also die Menschen in gro√üer Zahl t√∂ten w√ľrde, ist nicht die K√§lte.

Das größte Risiko ist der Hunger

Sieben Milliarden Menschen sind heute eine starke Belastung f√ľr unseren Planeten. Unter heute bekannten optimalen Bedingungen gilt bereits eine Milliarde Menschen als hungrig. W√ľrde der Toba-Ausbruch heute stattfinden, w√ľrden die Pflanzen erheblich leiden. Die Niederschl√§ge w√ľrden um 45 % zur√ľckgehen und unsere riesigen Getreide- und Obstbaumplantagen w√ľrden vernichtet werden. Sinkende Temperaturen w√ľrden das Verschwinden von immergr√ľnen Laubb√§umen bewirken. Praktisch alle tropischen B√§ume w√ľrden aussterben. Kr√§uter w√ľrden mangels Photosynthese nicht √ľberleben. Niederschl√§ge w√ľrden seltener, daf√ľr aber sehr viel saurer werden. Die S√ľ√üwasserressourcen w√ľrden erheblich abnehmen, was auch unsere landwirtschaftlichen Betriebe treffen w√ľrde. Laubb√§ume w√ľrden dezimiert werden.

Nach zwei Jahren ohne Sonne w√ľrde die Vegetation wieder anfangen zu sprie√üen. Kr√§uter werden zuerst nachwachsen. Sie werden nicht so viel Sonnenlicht absorbieren wie B√§ume. Die K√§lte wird die W√§lder ausgerottet haben und die k√ľhlende Wirkung ihrer Verdunstung zunichtemachen. Um den 40. Breitengrad herum wird die Jagd reduziert sein und die Ernten werden sehr schlecht ausfallen. Allerdings hat sich die Weltbev√∂lkerung haupts√§chlich in den gem√§√üigten Zonen konzentriert. Die gro√üen n√∂rdlichen Laubw√§lder werden erfroren sein. Menschen in der intertropischen Zone werden die K√§lte nicht √ľberstanden haben. So wird die Erde der Sonne gro√üe Fl√§chen mit Gras und jung wachsenden B√§umen pr√§sentieren. Sie wird mehr Energie aus ihren Strahlen absorbieren als heute. An den Polen wird das durch Staub verschmutzte Eis mehr einfangen als reflektieren. Das Klima wird sich erw√§rmen. Und dann wird sich das Klima wieder ausbalancieren: Nach einigen Jahrzehnten werden Pflanzen die Erde erfrischen, w√§hrend neues Eis die Sonnenstrahlen reflektieren wird. Unser Stern wird uns weniger aufheizen und wir sollten schlie√ülich eine globale Abk√ľhlung von 3 bis 5 ¬įC erleben. Das ist wichtig, hat aber nichts mit dem Kataklysmus zu tun, den die Eruption vor 76.000 Jahren ausl√∂ste.

Eine Explosion eines Vulkans von der Gr√∂√üe des Toba w√ľrde das Klima heute weniger beeinflussen. Dennoch w√ľrde es zu einer sehr hohen Sterblichkeitsrate f√ľhren, vor allem aufgrund von Hungersn√∂ten. Computersimulationen sind unglaublich komplex. Wissenschaftler geben eine Vielzahl von Zahlen ein. Oft nennen sie die einfachste Zahl, die man sich merken kann. Es ist eine der niedrigen Hypothesen: eine Milliarde Tote.

Gibt es noch andere Krater-Vulkane?

Wir wissen nicht, ob sich ein oder mehrere Vulkane unter den Ozeanen verstecken, aber wir wissen, dass ein Supervulkan vor unseren Augen liegt. Wir kennen ihn, weil auf seiner Oberfl√§che einer der ber√ľhmtesten Naturparks der Vereinigten Staaten von Amerika liegt. Er ist wom√∂glich m√§chtiger als Toba. Pal√§ologen entdeckten ihn im Jahr 1990. Es ist der Yellowstone Krater-Vulkan.

Der Yellowstone Park erstreckt sich √ľber eine Million Hektar im US-Bundesstaat Wyoming. Der Boden ist relativ flach und wurde durch Gletscher in alten Zeiten geformt. Man kann dort spazieren gehen, ohne sich vorzustellen, dass man auf einem Vulkan spazieren geht. Der Krater liegt ein paar Kilometer unter der Erde und die Landschaft erinnert nicht an die steilen Klippen eines Vulkans. Das liegt daran, dass alles erh√∂ht ist. Am Horizont sieht man kleine Reliefs, die etwa drei√üig Meter hoch sind: das sind in Wirklichkeit die Lippen des Kraters. Auf den Postkarten des Parks ist oft Old Faithful zu sehen, ein Geysir, der mit gro√üer Regelm√§√üigkeit 55 Meter hoch speit. Die wundervollen Farben des Sees am Grand Prismatic Spring bieten bezaubernde Bilder. Alles wirkt dort idyllisch. Manchmal bringt eine intensive thermische Aktivit√§t einen Weg zum Einsturz und wird sofort f√ľr die √Ėffentlichkeit gesperrt. Touristen spazieren begeistert umher, ihre Kameras sind voll mit Erinnerungen f√ľr die Ewigkeit.

Aber Menschen sind sterblich.

Unter den Sandalen der Touristen liegt der gr√∂√üte Vulkan der Erde. In der Mitte des Kraters hebt sich die Erde kontinuierlich mit unmerklicher Geschwindigkeit um einen Meter alle 75 Jahre. 8.000 Meter darunter steht die Magmakammer unter hohem Druck. 1.500 ¬įC hei√ües Magma wird die Gase komprimieren. F√ľnf Kilometer unter der Oberfl√§che hat die Erdkruste noch eine Temperatur von 350 ¬įC. Dieser Vulkan ist aktiv, teuflisch aktiv! J√§hrlich ersch√ľttern etwa 100 Beben geringer Intensit√§t den Boden und es werden immer mehr. Fumarolen, hei√üe Quellen und Geysire sind Ausdruck unterirdischer Aktivit√§t. Weit unter der Oberfl√§che haben die Infrarotkameras der NASA einen gigantischen Krater von mindestens 70 mal 30 km ausgemacht. Er w√§re damit vergleichbar mit Toba.

Wenn es nicht aus Statistiken der letzten drei Explosionen hervorgehen w√ľrde, w√§re es unm√∂glich vorherzusagen, wann die n√§chste Yellowstone-Eruption stattfinden wird. Wir wissen nur, dass er katastrophal sein und das Aussehen der Welt ver√§ndern wird. Der Mensch ist sehr klein, wenn die Erde die Kraft eines Krater-Vulkans ausl√∂st.

So au√üergew√∂hnlich und vielf√§ltig sie auch war, kam die Evolution des ‚Äěstehenden S√§ugetiers Mensch‚Äú vor 76.000 Jahren zu einem abrupten Ende, als Toba fast alle Nachkommen des Homo erectus abrupt t√∂tete. Wissenschaftler nennen diesen Moment die ‚ÄěProblemzone der Evolution‚Äú. Dieses Beinahe-Aussterben unserer Art vereinfachte unseren Stammbaum: Unter den 3.000 √úberlebenden im Herzen Afrikas hatten alle die gleichen morphologischen Merkmale. Sie gingen alle auf die gleiche Weise, hatten die gleiche Haut- und Haarfarbe, wussten alle, wie man spricht und wie man Feuer kontrolliert: eine verbl√ľffende Vereinfachung f√ľr die Pal√§ontologie!

Am Ende von ein paar Millionen Jahren Evolution hatte ein winziger Zweig der Abstammungslinie der Menschenaffen eine Million verschiedener Hominiden mit gegensätzlichem Wissen hervorgebracht, die sich in den Weiten des Globus verloren hatten, als ein plötzlicher kolossaler Ausbruch von Lava, Steinen und Asche alles auf drei winzige Gruppen von Individuen zusammenschrumpfte. Praktisch alle Hominoiden der Welt waren tot, außer unsere Vorfahren.

Wir verlie√üen das Pal√§olithikum und traten in die Fr√ľhgeschichte ein. Die menschliche Spezies wurde aus ein paar Toba-√úberlebenden wiedergeboren.

Weitere Informationen:

Die Kraft von Toba entspricht der gleichzeitigen Eruption von 300 Vulkanen wie dem Pinatubo (1991); oder 3.000 gleichzeitigen Explosionen von (traditionellen) Vulkanen von der Gr√∂√üe des Mount Saint Helens. Die Menge des Auswurfs, die der Toba-Ausbruch im Jahr 74.000 v. Chr. auswarf, h√§tte das gesamte Land bedecken k√∂nnen. Die durch den Toba-Ausbruch ausgel√∂ste Eiszeit wird als ‚ÄěW√ľrm-Eiszeit‚Äú bezeichnet. Diese Klimaver√§nderung endete erst vor 12.000 Jahren, am Ende der J√ľngeren Dryas, als das Holoz√§n begann.

Im Jahr 1815 brach der Tambora auf der Insel Sumbawa in Indonesien aus. In der nördlichen Hemisphäre fielen die Temperaturen so stark, dass in Neuengland, Kanada und Westeuropa im August Steine im Frost zerbarsten. Einen Sommer kannte die Welt 1816 nicht. In Bengalen entstand eine schreckliche Hungersnot. Cholera-Herde traten auf und breiteten sich aus. Es kam zur ersten großen Cholera-Epidemie der Geschichte. Die Hungersnot löste große soziale Bewegungen in ganz Europa aus. Revolutionen mehrten sich in Spanien, Deutschland, Griechenland, Osteuropa, Rumänien, Italien und Lateinamerika.

Im Sommer 1783 brach der Laki in Island aus. Seine Wolken k√ľhlten die Erde ab, auf sie folgte ein trockener Nebel, der Europa bedeckte. Die Ernten fielen miserabel aus. Der Hunger wurde so allgegenw√§rtig, dass er als eine der Hauptursachen f√ľr die Franz√∂sische Revolution von 1789 bekannt ist.

Im Jahr 1453 brach der Kuwae aus. Das Klima der Erde k√ľhlte sich um drei Grad ab. Asche bedeckte den Himmel √ľber Konstantinopel. Die Sonne f√§rbte ihn blutrot. Die Bev√∂lkerung, die von den T√ľrken belagert wurde, h√§tte dieses Ph√§nomen als ein sehr schlechtes Omen gedeutet. Die Leute w√§ren bei Einbruch der Nacht geflohen und h√§tten das Tor von Kerkoporta offengelassen. Die Osmanen h√§tten daher die unpassierbaren Mauern durchquert, ohne einen Schlag landen zu m√ľssen. Es war das Ende des byzantinischen Reiches.

Im Jahr 1258 explodierte in Indonesien auf der Insel Lombok ein Caldera-Vulkan. Die Eruptionsfahne stieg bis auf 43.000 Meter, die Aschewolke verdeckte den Mond. Es war der gr√∂√üte Vulkanausbruch des letzten Jahrtausends. Chinesische und englische Temperaturmessungen erlauben es, ihn im Januar 1258 zu lokalisieren. Die Regenf√§lle und die K√§lte waren besonders intensiv, was immense Hungersn√∂te ausl√∂ste (ein Drittel der Einwohner Londons starb an Hunger). Eine Epidemie befiel die Schafherden, der langanhaltende Frost t√∂tete die K√ľhe. Island war durch das Eis abgeschnitten. Sofort trat eine Pest auf, die sich nach einem strengen Winter ab April 1259 vom Nahen Osten nach Europa ausbreitete und die Bev√∂lkerung dezimierte. Das mongolische Heer zog in Bagdad ein, brach aber aus Mangel an Nahrungsmitteln seine Eroberung Osteuropas ab. Die intensive K√§lte, die aus dieser Eruption resultierte, f√ľhrte zu einer beschleunigten Abk√ľhlung des Planeten in Richtung der Kleinen Eiszeit.

Wenn die letzten beiden Ausbr√ľche von Caldera-Vulkanen, Pinatubo (1991) und Tambora (1815), t√∂dlich waren, dann vor allem indirekt: Sie l√∂sten das langanhaltende Klimaph√§nomen El Nino aus. Es folgte eine schwere D√ľrre in den Tropen (Gagan, 1995), wobei sich die Niederschlagsmenge halbierte (Pittcock, 1989) und schwere Hungersn√∂te verursachte.

Harwell (1984) untersuchte den Einfluss der Temperatur auf das Baumsterben. Den Einfluss des schwefelhaltigen sauren Regens hat er nicht ber√ľcksichtigt. Nichtsdestotrotz wirft seine Arbeit ein Licht auf die Auswirkung einer Schwankung der durchschnittlichen Temperaturen auf der Erde um einige Grad auf Pflanzen:

Wenn die Temperaturen 5 Jahre lang um 3 ¬įC sinken w√ľrden, w√ľrde die Biomasse von B√§umen in gem√§√üigten Zonen um 25 % abnehmen und der Wald w√ľrde sein Volumen nach etwa f√ľnfzig Jahren wieder erreichen. Bei grasbewachsenen √Ėkosystemen w√ľrde ein Temperaturr√ľckgang von 3 ¬įC die Biomasse um 9 % verringern.

Bei einem Temperaturabfall von 6 ¬įC w√ľrde die Biomasse um 80 % abnehmen und nach 50 Jahren nur noch 50 % des urspr√ľnglichen Volumens erreichen.

Bei einem Temperaturr√ľckgang von 9 ¬įC f√ľr 5 Jahre w√ľrden 90 % der Biomasse zerst√∂rt werden, nach 50 Jahren w√§ren nur noch 33 % der Ausgangsmasse vorhanden. Und bei Gr√§sern w√ľrde die Biomasse um 51 % abnehmen. (In Europa k√ľhlte der Toba-Ausbruch das Land um 16 ¬įC ab!).

Man hat Fossilien von Hunderten toter Säugetiere gefunden, die bei einem Ausbruch des Yellowstone vor 10 Millionen Jahren ums Leben kamen: Ihre Lungen waren vom vulkanischen Staub zerfetzt worden, sie waren am Aushusten ihres Blutes gestorben.

Yellowstone ist bereits vor 1,8, dann 1,2 und dann vor 0,64 Millionen Jahren ausgebrochen. Bei dieser letzten Explosion hatte der Vulkan 2.500 Milliarden Kubikmeter Magma ausgestoßen (fast so viel wie Toba: 2.800 Milliarden).

Ein Caldera-Vulkan, der nur geringf√ľgig kleiner ist, befindet sich in Neuseeland, unterhalb des Lake Taupo. Er bricht etwa alle neunhundert Jahre aus (seit 27.000 Jahren), aber es ist schon 1.700 Jahre her, dass er explodiert ist.

Von Toba bleibt an der Oberfl√§che nur ein gro√üer See √ľbrig. In den Tiefen der Erde, an der gleichen Stelle, wird gerade ein neuer Caldera-Vulkan wiedergeboren. Er hat einige schwere Erdbeben erlebt (bis zur St√§rke 9 auf der Richterskala), aber das scheint die Vulkanologen nicht zu beunruhigen.

Im Jahr 2012 wurde eine aktive Caldera mit einem Durchmesser von 13 km entdeckt, einige Kilometer von der Stadt Neapel (Italien) entfernt, deren See aus geschmolzenem Gestein immer noch wächst.

Dies ist keine etablierte Regel, aber es scheint, dass Ausbr√ľche von Caldera-Vulkanen so stark sind, dass sie immer assoziierte Eruptionen oder Erdbeben ausl√∂sen (manchmal √ľber 10.000 km auseinander).

Auch der Homo floresiensis hat den Toba √ľberlebt und ist bis zu seinem Aussterben um 16.000 v. Chr. im Wald der indonesischen Insel Flores verblieben. Der Ausbruch von Toba h√§tte praktisch allen anderen Linien des Homo erectus ein Ende gesetzt, einschlie√ülich derjenigen, von denen wir k√ľrzlich Skelette entdeckt haben (Marokko, Georgien, China, Mongolei...). Hoffentlich werden die Arch√§ologen weitere Homo-Arten entdecken, die Toba √ľberlebt haben. Genetiker haben entdeckt, dass auch die Denisovaner vom Homo erectus abstammen.


Das Epos der Sapiens

Der nat√ľrliche Rhythmus von Tagen und N√§chten war zur√ľckgekehrt, aber die Atmosph√§re war immer noch tr√ľbe. Der Boden war einheitlich grau. Selbst die Ozeane sahen tr√ľb aus. Es war immer noch k√ľhl, aber seit der Eruption stiegen die Temperaturen stetig an. Die Sonne war zu sehen: alles wurde wieder lebendig.

Dank des reichhaltigen vulkanischen Staubs, der durch die Sonneneinstrahlung erhitzt wurde, vermehrten sich die √ľberlebenden Pflanzen auf der Erde und in den Gew√§ssern. Die Menschen begannen, das Hochland von Ostafrika zu verlassen. Sie gingen in kleinen Familiengruppen. Ihren Lebensunterhalt verdienten sie mit der Jagd. Unterwegs pfl√ľckten oder sammelten sie. Isoliert von ihren Artgenossen war ihre Fortpflanzung manchmal inzestu√∂s. Die kleinste Krankheit oder Verletzung setzte das √úberleben der Gruppe aufs Spiel. Sie widmeten ihre Energie dem √úberleben der Spezies, auch wenn dieser Gedanke f√ľr sie nicht nachvollziehbar war.

Gruppen, Clans, Völker

Einige zogen nach Westen und schw√§rmten √ľber ganz Afrika aus, w√§hrend andere Jagdgebiet f√ľr Jagdgebiet, von den Gro√üen Seen im Osten des Kontinents bis zum Mittelmeer, abgingen. Ihre DNA trug einen bestimmten genetischen Marker: M130. Nachdem sie √Ągypten um 45.000 v. Chr. passiert hatten, durchquerten sie das Land der Neandertaler, die gelernt hatten, der K√§lte der Eiszeit zu widerstehen. Ihre Lebensweise, ihre K√∂rper, insbesondere die Form ihrer Nasenh√∂hlen sowie ihr Immunsystem hatten sich an die eisigen Temperaturen angepasst. Sie jagten haupts√§chlich im Wald und setzten dabei auf Kraft und Fitness. Interessanterweise verwendeten Neandertaler-M√§nner und -Frauen regelm√§√üig Farbpigmente.

Sowohl Neandertaler als auch Sapiens stammen vom Homo heidelbergensis ab. Die Trennung zwischen den Abstammungslinien hatte um 600.000 v. Chr. stattgefunden. Als entfernte Cousins war ihre Vereinigung fruchtbar. Es kam zu Kopplungen zwischen den beiden V√∂lkern: Die DNA des Homo sapiens, der Afrika verlie√ü, war mit 1,5 bis 3 % Neandertaler-Genen angereichert. Die letzten Neandertaler in Sibirien trugen 7,1 % Sapien-Gene. Wir wissen nicht, ob eine Pandemie die anderen t√∂tete oder ob es eine andere Ursache f√ľr das Verschwinden der reinen Linien gab, aber am Ende √ľberlebten nur diejenigen, die das Immunsystem, die Pigmentierung und die Augen der Neandertaler geerbt hatten - und deren Schlankheit und die meisten k√∂rperlichen Merkmale das Ergebnis des Sapiens-Genoms waren. Die Genetik hat uns gezeigt, dass es von Europa bis Asien nach 24.000 v. Chr. n√∂rdlich des Mittelmeers keine Neandertaler oder Sapiens mehr gibt, sondern nur noch Halbbl√ľter, deren Genom einen √ľberwiegenden Anteil an Sapiens-Genen enth√§lt.

W√§hrend jeder Zwischeneiszeit folgte der Homo sapiens eng der Eisgrenze. Das ideale Klima war kalt, weil es f√ľr ein paar Tage die Konservierung von Fleisch erm√∂glicht. Sie bevorzugten Waldgebiete, weil sie dort mehr Beutetiere fanden. Als sich die Temperaturen auf der Welt ver√§nderten, zogen sie in die N√§he des Breitengrades, der f√ľr ihre Lebensweise am besten geeignet war. Um 40.000 v. Chr. befanden sich viele von ihnen zwischen dem Iran und Afghanistan. Der Himalaya blockierte jedes Vordringen nach Osten.

Kurz vor 30.000 v. Chr. wechselten einige Menschen wahrscheinlich die Region. Sie beschlossen, der aufgehenden Sonne den R√ľcken zu kehren und nach Westen zu ziehen. Sie hatten einen neuen genetischen Marker entwickelt: M173. Immer in kleinen Gruppen jagend, folgten sie ihrer Beute bis zu den K√ľsten Westeuropas. Sie sind auch als ‚ÄěCro-Magnon‚Äú bekannt.

Die Mehrheit verlie√ü das iranische Hochland und setzte ihre Reise, wie √ľblich, in Richtung Osten fort. Eine Mutation in ihrer DNA f√ľhrte zu einem neuen genetischen Marker: M9. Sie hatten sich genug fortgepflanzt, um ihre Einheiten von ‚ÄěGruppe‚Äú auf ‚ÄěClan‚Äú umzustellen. Diese ‚Äěeurasischen Clans‚Äú wurden dann in zwei Gruppen aufgeteilt.

Die kleinere Gruppe hatte eine Jagdtaktik entwickelt, die besonders f√ľr dichte W√§lder geeignet war. Sie folgten ihrer Beute durch den s√ľdlichen Himalaya und quer durch S√ľdostasien. Unter st√§ndiger Gefahr zogen sie bis nach Malaysia. W√§hrend der quart√§ren Eiszeiten gefror ein gro√üer Teil der Ozeane zu Eisschollen. Der Wasserspiegel sank erheblich. Sie nutzten die Gelegenheit, um trockenen Fu√ües nach Indonesien zu gelangen. Die M√§nner der zweiten Gruppe M9 hatten die N√§hnadeln erfunden. Sie spalteten Knochensplitter, die es erm√∂glichten, einen d√ľnnen Sehnenstreifen durch eine leicht gebr√§unte Haut zu ziehen. Diese Erfindung erm√∂glichte es ihnen, Felle zu Kleidung zusammenzuf√ľgen, die der Person, die sie trug, passte. Einmal vor der K√§lte gesch√ľtzt, zog die Sippe mit Schuhen nach Norden. Sie lebten haupts√§chlich von der Jagd nach Wollmammuts und Rentieren. Um 25.000 v. Chr. haben sie in Sibirien viele Spuren hinterlassen und schlie√ülich einen neuen genetischen Marker entwickelt: M45. Beim Durchqueren der gro√üen, an Wiederk√§uern reichen Ebenen, stie√üen sie auf ein Volk, das ebenfalls Toba √ľberlebt hatte: Die Denisova-Menschen. Die Halbbl√ľter, die aus ihrer Paarung hervorgingen, hatten 3 % des denisovianischen Genpools einschlie√ülich des M45-Markers.

Die M9-Clans, die seit ihrer Ankunft in Sibirien mit M45 markiert waren, waren besonders mobil und fruchtbar. Ihr genetisches Erbe wird durch 0,3 % der denisovianischen Gene weiter angereichert. Sie besiedelten ganz Zentralasien und schw√§rmten um 35.000 v. Chr. bis ins westliche China aus. Einige von ihnen zogen mit dem Eis nach Norden und kamen um 15.000 v. Chr. in Alaska an. Im amerikanischen Westen hinterlie√üen sie um 12.000 v. Chr. ihre Spuren. Einige nutzten die j√ľngsten Klimaver√§nderungen der Dryas, um nach Patagonien weiterzuziehen.

Die unternehmungslustigsten der M45 segelten um 30.000 v. Chr. entlang der asiatischen K√ľste nach Neuguinea, was darauf hindeutet, dass sie einen Weg gefunden haben, sich √ľber das Wasser zu bewegen. Ihr genetisches Erbe enthielt 6 % Denisovianer-Gene.

Diese Wanderungen dauerten Zehntausende von Jahren. Wir mussten uns st√§ndig sch√ľtzen: Das √úberleben war ein st√§ndiger Kampf. Die Beute gab den Weg vor. Wir gingen dorthin, wo die Tiere noch keine Jagdtaktik kannten und waren dazu verdammt, uns zu Fu√ü und mit Werkzeugen fortzubewegen. Wir schritten auf das Unbekannte zu und w√§hlten die effektivste Strategie: umherwandern. Es ist nicht verwunderlich, dass der Mensch eine au√üergew√∂hnliche F√§higkeit zur Anpassung entwickelt hat. Verloren in L√§ndern, die er nicht kannte, musste er jeden Tag Wasser, essbare Pflanzen und Beute finden. Die gro√üe Ausdauer des weiblichen K√∂rpers musste den Test des Geb√§rens, Tragens und Stillens bestehen, w√§hrend er unter diesen Bedingungen unterwegs war! Die F√§higkeit des Menschen zur Beobachtung und Analyse erwies sich als √ľberragend. Au√üerdem war die Gr√∂√üe seines Gehirns gr√∂√üer als jetzt. Die artikulierte Sprache war ein entscheidender Vorteil.

Diese immense Reise um die Welt hat noch viele andere Veränderungen hervorgerufen, vor allem in der menschlichen Physiologie.

Physiologien

Da unser Planet zu dieser Zeit weiter von der Sonne entfernt war, waren ihre Strahlen weniger stark. Sie bestrahlten umso weniger diejenigen, die sich weit vom √Ąquator entfernt entwickelten. Unser K√∂rper braucht jedoch Sonnenlicht, um Vitamin D zu synthetisieren. Es ist lebenswichtig, da es die Aufnahme von Kalzium erm√∂glicht. Aber die M45-Clans reisten durch ganz Sibirien, eingewickelt in Tierhautkleidung. Sie h√§tten sich in einem fortgeschrittenen Zustand der Entkalkung befinden m√ľssen. Ihre K√∂rper passten sich an, indem sie mehr Gene neandertalischen Ursprungs freilegten und zwei Sapien-Gene methylierten. Die nat√ľrliche Auslese fand statt. Nach und nach erwiesen sich bei diesem Wetter diejenigen, deren Haut keine Pigmente hatte, als ges√ľnder als andere. Die Regulierung des Melanins in der Epidermis erlaubte ihnen, die seltenen Sonnenstrahlen, die sie erreichten, besser zu absorbieren. Je weiter n√∂rdlich die Sippen lebten, desto heller wurden ihre Haare und ihre Haut. Auch die K√∂rperform passte sich der klimatischen Umgebung des jeweiligen Individuums an. M173, die die W√§lder Europas bev√∂lkerten und die durch die Vegetation vor dem Schneesturm gesch√ľtzt waren, entwickelten einen l√§ngeren Hals und eine h√∂here Nase als die Clans, die die gro√üen mongolischen Ebenen durchquerten, um nach China zu gelangen. Vom gefrorenen Sibirien bis nach Zentralasien mussten sich die Menschen an die kalten Winde, die √ľber das Eis fegten, und an den st√§ndigen Nachhall der Sonne anpassen: Ihre Gesichter hatten kurze Nasen, doppelte Lidfalten und hohe Wangenknochen. Sie hielten auf ihrer Reise ein so raues Klima aus, dass sie einen speziellen genetischen Marker entwickelten: M175. Nur der √úberlebensinstinkt erlaubte es ihnen, sich aus der Not zu befreien. Die Anstrengung war so gro√ü, dass sich ihre Morphologie anpassen musste. Selbst das Schieben von Schnee mit ihren Beinen ver√§nderte die Form ihrer H√ľften.

Die Explosion von Toba war der Ausl√∂ser. Die lange Reise danach formte die Menschheit. Die Vermischung f√ľhrte zu neuen Ethnien, zu neuen Ph√§notypen. W√§hrend dieser 50.000 Jahre passte sich unsere Morphologie an die klimatische Umgebung an und das je nachdem, welchen Weg wir einschlugen.

Das intelligente Wesen

Die Jagd war die vorherrschende T√§tigkeit und zwang uns entsprechend den Bewegungen der Beute zu bewegen. Die meisten Menschen zogen in kleinen Gruppen, meist Familien, umher. Die M√§nner stammten aus einem Clan, aber die Frauen kamen aus fremden Gruppen. Der Komfort der Unterkunft blieb trivial: Das Leben hing von der F√ľlle der Nahrung ab. W√§hrend die Wanderer umherzogen, entdeckten sie neue Pflanzen und Fr√ľchte. Wir lernten zwischen solchen, die Kraft brachten, solchen, die heilten, und solchen, die Gifte enthielten zu unterscheiden. Wir wussten, wie wir uns vor Darmw√ľrmern sch√ľtzen oder eine Fraktur halten konnten. Gro√ükatzen waren immer noch eine t√∂dliche Bedrohung. Jede gr√∂√üere Wanderung brachte eine Reihe von Ver√§nderungen mit sich. Unsere Gehirne gew√∂hnten sich an die Notwendigkeit, sich st√§ndig an neue Umst√§nde anzupassen.

Die Menschen jagten in Rudeln. Sie erfanden Fallen, Taktiken und Strategien. Sie konnten miteinander sprechen und genaue Informationen √ľbermitteln. Das Wissen und die Leistungen von M√§nnern und Frauen entwickelten sich komplement√§r. Paare erm√∂glichten es, neue Formen der Intelligenz zu entwickeln, und zwar in einem Ma√üe, wie es gegen√ľber allen anderen S√§ugetieren √ľberlegen war. Ihre Gehirne entwickelten sich viel st√§rker als ihre Muskeln, insbesondere die Frontallappen.

Die Sapiens verf√ľgten √ľber eine gewaltige Waffe: Sie konnten jedes S√§ugetier bis zu dem Punkt erschrecken, an dem es verscheucht wurde. Alles, was sie tun mussten war, etwas zu entflammen. Doch der Trick konnte nicht endlos wiederholt werden. Fr√ľher oder sp√§ter w√ľrde ein schlaues Nashorn begreifen, dass brennende St√∂cke zwar nach Feuer riechen, aber nicht gef√§hrlich sind. Die Menschen waren also st√§ndig auf der Suche nach Beute, die noch nie Menschen gesehen hatten und die weder ihre Taktik noch ihre Waffen kannten. Wenn sie auf eine andere Gruppe von Menschen trafen, neigten sie dazu, sich von den bereits ausgebeuteten Jagdgebieten zu entfernen. Es wird gesch√§tzt, dass ein Sapiens in seinem Leben weniger als 150 Menschen begegnet war. Der Wissenszuwachs erfolgte in dieser Zeit nur langsam, wobei neue Informationen haupts√§chlich durch den Tausch von Frauen zustande kamen. Als dann die besten Jagdgebiete besiedelt wurden, wirkte sich der Bev√∂lkerungsdruck aus: Cousins und Cousinen lebten schlie√ülich in geringerem Abstand zueinander. W√§hrend des Mesolithikums bildeten sich in bestimmten geografischen Gebieten Clans. Dies erm√∂glichte die Entstehung einer kollektiven Intelligenz, wie man sie sich auf der Grundlage animistischer Religionen und Jahrestreffen vorstellen kann. Das Ergebnis war ein wachsender Erfindungsreichtum. Die Menschen in diesem Epos fanden und erfanden eine Menge: Werkzeuge und Kleidung, Waffen und Lebensr√§ume. Diese F√§higkeit, verst√§rkt durch ihre F√§higkeit zu kommunizieren und Wissen weiterzugeben, gab ihnen einen entscheidenden Vorteil.

In sechzigtausend Jahren hatten wir uns vom Zweibeiner der Paläontologen zum Menschen, dem intelligenten Wesen der Archäologen, entwickelt.

Der Mensch hatte sich √ľber die ganze Erde ausgebreitet. Er war dabei, sie zu erobern.

Weitere Informationen:

Neandertaler und Sapiens lebten fast 20.000 Jahre lang in denselben Territorien. Seit 2011 wird das Verschwinden der meisten Homo neandertalis zunehmend auf Sulfidwolken zur√ľckgef√ľhrt, die durch den Ausbruch des neapolitanischen Caldera-Vulkans vor 40.000 Jahren verursacht wurden (Kampanische Ignimbrit). Die Universalit√§t ihres Verschwindens (bis nach Asien) und die wahrscheinliche Gleichzeitigkeit mit dem Verschwinden des reinen Homo sapiens deuten jedoch eher auf eine Pandemie hin, gegen die nur das Genom der √ľberlebenden Mischlinge gewappnet war. Die Abk√ľhlung durch den Ausbruch des italienischen Vulkans k√∂nnte der Ausl√∂ser f√ľr eine Pandemie gewesen sein.

Die Mitochondrien der √ľberlebenden Sapiens-Neandertaler-Kreuzungen folgen alle der Sapiens-Linie. Daraus schlie√üen wir, dass die M√ľtter dieser Mischlinge ausschlie√ülich Sapiens waren, was bedeutet, dass viele dieser M√ľtter bei der Geburt starben, da die K√∂pfe der Neandertaler-Babys deutlich gr√∂√üer waren als die der Sapiens-Babys (auf H√∂he des Ischias ist der Durchmesser des ‚Äěmittleren Beckens‚Äú der Neandertaler-Frauen 10 % gr√∂√üer als der der Sapiens).

Unter den Genen, die wir von den Neandertalern geerbt haben, haben wir diejenigen identifiziert, die den Vitamin-D- oder LDL-Cholesterinspiegel im Blut kontrollieren, diejenigen, die f√ľr bestimmte Essst√∂rungen, aber auch f√ľr die Steuerung der Fettassimilation verantwortlich sind, diejenigen der rheumatoiden Arthritis, die der Schizophrenie...

Die Abk√ľhlung von H4 um 38.000 v. Chr. war wahrscheinlich aufgrund des Ausbruchs der kampanischen Ignimbriten in der N√§he von Neapel, wie aus arktischen Eisbohrkernen (NGRIP) hervorgeht, intensiv und abrupt. Es verursachte das Sterben einer sehr gro√üen Anzahl von Tieren und Pflanzen (Semi-Extinktion der Arten), insbesondere in Richtung S√ľdosten (bis nach √Ągypten) und in Richtung Osten (bis zum Baikalsee und Kaukasus) aufgrund einer sehr dichten Wolke aus schwefelhaltigen Verbindungen, die sich in sehr geringer H√∂he bewegte.

Die folgende Vergletscherung (H3), etwa 32.500 bis 30.500 v. Chr., markiert die Grenze zwischen dem Mittelpal√§olithikum und dem Jungpal√§olithikum. Sie war kalt genug, dass die Sapiens-Neandertaler-Denisova-Kreuzungen, die bereits Sibirien durchquert hatten, leicht eine Passage auf trockenen F√ľ√üen zwischen Russland und dem amerikanischen Kontinent finden konnten, wo sie sich niederlie√üen. Ihre charakteristisch geschnittenen Steine (zweiseitige Schaber, kleine Faustkeile zum Aufstecken, Spitzen) finden sich in allen pal√§oindianischen Zivilisationen Nordamerikas. Die Mischlinge, die Sibirien noch nicht durchquert hatten, wurden durch die rauen klimatischen Bedingungen aufgehalten und ihre Reise ging nach Osten; sie nutzten diese zweitausend Jahre, um einen neuen, aufwendigeren Werkzeugtyp zu erfinden, indem sie mehrere Schichten in einem Feuerstein verwendeten. Sie entwickelten auch die Herstellung von Knochenwerkzeugen, die leichter und spezialisierter waren: Messer, Bohrer, Nadeln, Mei√üel, Harpunen, Atlatl. Diese Art von Werkzeugen wurde also nicht in Pal√§oamerika, sondern in Ostasien gefunden.

Die Herstellung von transportablen Werkzeugen nach H3 ist charakteristisch. Die Menschen konnten sie von einem Aufenthaltsort zum anderen transportieren. In Anlehnung an den relativ dauerhaften Lebensraum der Neandertaler zogen diese Gruppen von Individuen je nach Jahreszeit von einem Jagdgebiet zum anderen, typischerweise von einer Sommerh√∂hle, die einen weiten Blick auf Ebenen und fischbare B√§che bot, zu einer Winterh√∂hle, die vor den vorherrschenden Winden gesch√ľtzt, aber nach S√ľden ausgerichtet war. Daher endete die ‚Äěgro√üe Wanderung‚Äú zum Atlantik und zum Pazifik (n√∂rdlich des Himalayas) um 30.000 v. Chr. Immer gr√∂√üere Gruppen wandern jeweils √ľber ein gro√ües, bereits bekanntes Gebiet. Um diese Zeit begannen sich die Clans zu bilden.

Es wird angenommen, dass die M45-Gruppen die ersten Menschen waren, die ihre Jagdgebiete durch das Aus√ľben von Waldbr√§nden gestalteten. Auf diese Weise schufen sie lange ‚ÄěKorridore‚Äú aus baumlosem Grasland, ideal f√ľr grasende Wollmammuts und Rentiere. Die Tiere wanderten regelm√§√üig in diesen Jagdgebieten, in der N√§he von H√∂hlen, die von den M45 bewohnt wurden.

Jedes Mal, wenn ein Unfall (Steinschlag, H√∂hleneinsturz, Lawine, ...) es uns erm√∂glicht hat, die Knochen einer ganzen Gruppe von Homo sapiens oder Homo neanderthalensis zu finden, zeigt sich, dass alle ‚ÄěM√§nnchen‚Äú genetisch sehr nahe beieinander waren (Vater, S√∂hne, Br√ľder, sogar Cousins ... oder Onkel), w√§hrend alle ‚ÄěWeibchen‚Äú aus genetisch recht unterschiedlichen Familiengruppen stammten. Die Wissenschaftler schlie√üen daraus, dass die Gruppen von J√§gern, um Inzuchtdefekte zu vermeiden, ihre T√∂chter austauschten. Es ist nicht bekannt, ob sie pubertierende oder vorpubertierende tauschten. Diese Tauschvorg√§nge scheinen so systematisch gewesen zu sein, dass man sich vorstellen kann, dass sie nicht von Gewalt begleitet waren und eher unter eine gemeinsame Regel fielen, die zur Lebensweise der damaligen Zeit geh√∂rte. Was f√ľr Sapiens feststeht, gilt nicht f√ľr Homo erectus, aber man kann sich vorstellen, dass es dasselbe war, da die gefundenen genetischen Hinterlassenschaften von Homo erectus auch keine wiederholte Inzucht zeigen. Diese Lebensweise w√ľrde √ľbrigens erkl√§ren, warum es bei der Durchquerung des Territoriums der Neandertaler durch Homo erectus zu so viel genetischer Vermischung kam oder warum die Hypothese einer Pandemie, die den Sapiens und den Neandertalern ein Ende bereitet h√§tte, so plausibel erscheint.

Das √§lteste bekannte Skelett eines domestizierten Hundes stammt aus der Goyet-H√∂hle in Belgien. Es w√ľrde aus der Zeit um 30.000 v. Chr. stammen, also aus dem Jungpal√§olithikum. √úberall in den Alpen wurden zahlreiche Hundeknochen gefunden, vor allem an Seen, aber sie sind alle weniger als 12.000 Jahre alt.

Die alten Namen, die die Perioden des Jungpaläolithikums unterteilen, leiten sich von den Namen der von Archäologen untersuchten Fundstellen ab: Aurignacien (von 32.500 bis 28.000 v. Chr.), Gravettien (von 28.000 bis 20.000 v. Chr.), Solutréen (von 20.000 bis 10.000 v. Chr.). Das Magdalénien (von 10.000 bis 5.000 v. Chr.) entspricht dem Beginn des Neolithikums.

Waldwanderung:

Vor 24.000 Jahren war Europa gr√∂√ütenteils mit Gletschern bedeckt. Die Durchschnittstemperaturen des hei√üesten Monats √ľberstiegen nur an wenigen Orten 10 ¬įC. Die Tundra wuchs dort bis nach Bordeaux oder Lyon, umgeben von riesigen Gletscherw√ľsten. Das arktische Winterpackeis reichte bis zu den Pyren√§en.

Vor 15.000 Jahren begann sich das Klima zu erw√§rmen: Wir kamen langsam aus einer Eiszeit heraus. Die Tundren r√ľckten nach Norden und machten grasbewachsenen Steppen Platz. In S√ľdeuropa entstanden vereinzelte lichte Waldgebiete.

Vor 13.000 Jahren bedeckte ein Nadelwald Europa. Ganz im S√ľden, in Italien, entstand ein Laubwald.

Die pl√∂tzliche Abk√ľhlung der J√ľngeren Dryas schien alles zu √ľberw√§ltigen. Dann kam es zu einer noch brutaleren Erw√§rmung: Der Nadelwald zog nach Norden, der Laubwald breitete sich √ľber weite Teile Europas aus. Im S√ľden siedelte sich der mediterrane Wald an.

Vor 5.000 Jahren breiteten sich Laubwälder im gesamten gemäßigten Europa aus. Der Norden wurde mit Nadelbäumen bedeckt. Die Tundra beschränkte sich auf Island und Skandinavien.

In den letzten 5.000 Jahren, von der Sintflut bis zur industriellen Revolution, wurde der Fu√üabdruck des Menschen auf dem Wald sp√ľrbar. Durch Abbrennen und Abholzen ver√§nderten sie die nat√ľrliche Verteilung und privilegierten die einzigen Arten, die ihnen n√ľtzlich erschienen. Die Erfindung des Stahls, um 800 n. Chr., hat die Z√§hmung der Landschaften deutlich beschleunigt.

Seit der Neuzeit hat die Menschheit den landwirtschaftlichen Flächen und der Verstädterung den Vorrang gegeben, sie hat in das Gebiet der Wälder eingegriffen.

Die Wanderung der portugiesischen Traubeneichen folgte einer vollen Nordachse. Diejenigen vom Balkan verbreiteten sich nach Westen durch die T√ľrkei. Der Westen Frankreichs war dann mit portugiesischen Eichen bedeckt, w√§hrend die W√§lder im Osten und im Zentrum des Landes alle aus dem Balkan stammen. Was die Wei√üeiche oder Tr√ľffeleiche betrifft, so kam sie ausschlie√ülich aus Italien.

Die Ausbreitung der Eichen war atemberaubend: 3.000 km in 3.000 Jahren! Das Gewicht ihrer Fr√ľchte verhindert jedoch, dass die Winde sie weit von den Enden ihrer niedrigen √Ąste verbreiten k√∂nnen. Die Eichh√∂rnchen bringen die Eicheln weiter, machen sie aber steril (mit einem Biss), um die Keimung der Wintervorr√§te zu verhindern. Diese Geschwindigkeit der Ausbreitung wurde erst durch die Eichelh√§her erm√∂glicht, die in manchen Jahren Eicheln √ľber Dutzende von Kilometern tragen.

Ungef√§hre zeitliche Eckdaten: Das heutige Sonnensystem wurde vor 4,5 Milliarden Jahren erschaffen (4,5682), der Mensch erschien vor 4,5 Millionen Jahren (Ardi), Homo sapiens breitete sich vor 45.000 Jahren √ľber das Territorium der Neandertaler aus.

Milankovińás Theorie wurde viel kritisiert, bis man zwei Sachverhalte entdeckte, die ihre Wirkung best√§tigten: Die Zeitr√§ume der Umwandlung der afrikanischen W√§lder in Savannen sowie die Aufzeichnungen der Wasserst√§nde in den ozeanischen Sedimenten, √ľber die beiden letzten Millionen Jahre, entsprechen genau den drei Schl√ľsselzyklen (19 und 23.000; 41.000 und 100.000 Jahre) der drei astronomischen Parameter, die sie beschreibt.

Milankovińá untersuchte die drei Hauptrotationen der Erde um die Sonne. Die Exzentrizit√§t stellt die lange Ellipse dar, die durch die Umlaufbahn unseres Planeten um die Sonne beschrieben wird: Es handelt sich um eine Ellipse und nicht um einen Kreis, daher gibt es eine Exzentrizit√§t in Bezug auf die Sonne, die sich im identischen Fall nach einem Zyklus von 100.000 Jahren (und einem anderen von 413.000 Jahren) reproduziert. Die Schiefe beschreibt die Variation der Neigung der Erdrotationsachse zwischen 21,5 und 24,5¬į √ľber einen Zyklus von 41.000 Jahren. Die Pr√§zession der Erdrotationsachse beschreibt den 44-49¬į-Kegel, den sie im Raum zieht, und bestimmt die Wanderung der Position der Sonnenwenden und Tagundnachtgleichen (19.000 bzw. 23.000 Jahre).

Derzeit:

- Exzentrizität: Unser Planet befindet sich praktisch auf einer runden Bahn um die Sonne, da er sich am Ende der Ellipse befindet und der Sonne mit 147 Millionen Kilometern im Januar und 152 Millionen Kilometern im Juli am nächsten ist. Die Kontraste zwischen den heißen und kalten Jahreszeiten sind daher minimal. Am Ende des Mesolithikums, vor 11.500 Jahren, war es genau umgekehrt: Die Sommer waren deutlich heißer und die Winter deutlich kälter.

- Schiefe Lage: Wir befinden uns in einem Rotationswinkel von 23,4¬į, daher sind die Jahreszeiten m√§√üig ausgepr√§gt und von ausgeglichener Dauer.

- Präzession: Auf der Nordhalbkugel findet die Sommersonnenwende in einem größeren Abstand zur Sonne statt als die Wintersonnenwende (sie erwärmt uns im Winter relativ mehr und im Sommer weniger).

Zu beachten ist, dass die Planetenposition der Erde nach diesen drei Parametern derzeit ein bemerkenswert mildes Klima f√ľr die n√∂rdliche Hemisph√§re ergibt.


Natufianer

Das Holoz√§n (geologisches Zeitalter) und das Neolithikum (zivilisatorische Zeitalter) beginnen zur gleichen Zeit, am Ende der j√ľngsten Dryas. Es ist ein guter Bezugspunkt zu den verschiedenen Zeitskalen, die vom British Geological Survey, das aus Historikern und Pal√§ontologen besteht, definiert wurden. Das Datum ist gew√∂hnlich 10.000 v. Chr.

Das Holoz√§n endete mit Beginn des Anthropoz√§n, d. h., wenn die Pr√§gung des Planeten durch den Menschen vorherrschend wurde. √úblicherweise liegt der Beginn im Jahr 2000 n. Chr. Nat√ľrlich wird man Wissenschaftler finden, die behaupten, der British Geological Survey bestehe nur aus blinden alten M√§nnern: ‚ÄěDas Anthropoz√§n h√§tte schon beginnen m√ľssen, als die Menschheit wusste, wie man Waldbr√§nde legt und den Planeten versklavt.‚Äú Sagen wir, es f√ľr alle einfacher ist, wenn man davon ausgeht, dass das Holoz√§n 10.000 v. Chr. begann und 2.000 n. Chr. endete, also 12.000 Jahre dauerte.

Unser Planet befand sich nicht in der gleichen Sternposition: Er umkreiste die Sonne viel weiter weg als heute. Wir hatten das letzte glaziale Maximum um 19.000 v. Chr. erreicht. Die Durchschnittstemperaturen rund um den Globus glichen einer Achterbahn, aber sie bewegten sich meist nach oben. Diese Periode der Geschichte tr√§gt einen vielsagenden Namen: Deglaziation.            

In den Vereinigten Staaten floss das Gletscherwasser durch den Mississippi in den Golf von Mexiko. In Kanada bildete sich ein S√ľ√üwassersee. 11.400 v. Chr. war er 5.000 Kilometer lang. Pl√∂tzlich erw√§rmte sich die Atmosph√§re und das Ergebnis war eine intensive K√§lte: Die Temperaturen sanken in die N√§he der Temperaturen des letzten glazialen Maximums.                    

Eiszeit durch globale Erwärmung?

Asteroiden waren auf der Erde eingeschlagen. Bei der Durchquerung durch die Atmosph√§re stieg die Temperatur dieser Meteoriten, da die Atmosph√§re in Bodenn√§he dichter war. Die meisten dieser Weltraumbrocken explodierten einige Kilometer √ľber Nordamerika. Sie l√∂sten sofort massive Waldbr√§nde aus. Die freigesetzte W√§rme reichte aus, um die Erdatmosph√§re zu erw√§rmen. R. B. Firestone entdeckte k√ľrzlich charakteristische Spuren dieses Ereignisses: Die Br√§nde hatten eine durchgehende Ascheschicht √ľber Nordamerika hinterlassen. Das extraterrestrische Objekt hatte Fullerenenstaub, Nanodiamanten, Iridium und Kugeln aus dem Weltraum mitgebracht. Der Rest fiel wahrscheinlich in Gr√∂nland herab und grub einen Krater von 30 km Durchmesser durch das Eis.

Einer dieser Ausw√ľrfe raste vor Sept-√éles in den Sankt-Lorenz-Golf. Er durchl√∂cherte die Eiskappe und grub einen 4 km gro√üen Krater in den Boden. Die laurentidische Eisbarriere schmolz augenblicklich. Der riesige kanadische Gletschersee ergoss sich daraufhin in den Nordatlantik. Die Wassermenge war gigantisch. Es war ein Kataklysmus: Ein Jahrhundert lang floss ein gefrorener S√ľ√üwasserfluss, dessen Wassermenge gr√∂√üer war als die des Amazonas, in Richtung Osten, s√ľdlich von Gr√∂nland. Kein gr√∂√üerer Fluss war jemals in diesen Teil des Atlantiks von Kanada geflossen. Der Salzgehalt st√ľrzte ab. Das Klima der Erde wurde auf den Kopf gestellt. Die thermohaline Zirkulation des Ozeans, die den Golfstrom erzeugt, kam zum Stillstand. 70.000 Milliarden Tonnen Wasser mit der Temperatur eines Eisw√ľrfels k√ľhlten alle K√ľsten des Nordatlantiks ab. Die polare Eiskappe verdreifachte ihre Oberfl√§che. Sie bedeckte die W√§lder. Die Sonnenstrahlen, die jetzt von den unermesslich wei√üen Massen reflektiert wurden, konnten den Boden nicht mehr so stark aufheizen. Die Temperaturen sanken so stark, dass das Packeis bis an die Nordk√ľste Spaniens reichte. Diese Eiszeit wird als ‚ÄěJ√ľngste Dryas‚Äú bezeichnet. Sie dauerte fast 1.500 Jahre, von 10.900 v. Chr. bis 9.700 v. Chr., und verursachte eines der gr√∂√üten bekannten Massensterben lebender Arten.

Unter der von R. B. Firestone entdeckten Asche befanden sich Spuren einer menschlichen Zivilisation: der Clovis-Kultur. Dar√ľber fanden wir keine Anzeichen daf√ľr. Diese pr√§historischen Menschen h√§tten also den Kataklysmus nicht √ľberlebt. Auch die amerikanische Megafauna war verschwunden: Wollhaarmammuts, S√§belzahntiger, Mastodonten... Alle gro√üen S√§ugetiere der n√∂rdlichen Hemisph√§re starben. Wenn wir die heutigen Tierarten nach ihrem Gewicht klassifizieren w√ľrden, k√∂nnen wir davon ausgehen, dass die gr√∂√üten von ihnen mehr als ein Doppelzentner wiegen. Zur Zeit der j√ľngsten Dryas h√§tten wir das in Tonnen ausgedr√ľckt.                    

Es gab so viel gefrorenes Wasser auf den Kontinenten, dass der Pegel der Ozeane um zweihundert Meter sank. Die Meere verdunsteten kaum noch, was zu einer globalen D√ľrre f√ľhrte. Das Windregime √§nderte sich.

Die Wälder Skandinaviens erfroren und wurden durch Tundra ersetzt. Man konnte trockenen Fußes von Asien nach Amerika und von Amerika nach Europa laufen.

Die B√§ume hielten den Wind nicht einmal mehr auf vereisten Fl√§chen auf. In S√ľdfrankreich reichten die Durchschnittstemperaturen wahrscheinlich von -30 ¬įC im Winter bis zu 5 bis 10 ¬įC zur hei√üesten Zeit des Sommers.

Nichts auf der Erde hat einen so beeindruckenden Einfluss auf das Leben und die Landschaften wie eine Eiszeit - riesige Eismassen bedecken die Berge. Riesige Sedimentschichten werden √ľber Dutzende von Kilometern geschoben und legen nacktes Gestein frei. Die Vegetation stirbt ab. Die Tiere sind auf ihr √úberleben konzentriert. Ein Mensch nach dem anderen sieht die Lebensgrundlage verschwinden, die er f√ľr ewig hielt.

Eine solche Kälte hat die Welt seit der letzten Dryas nicht mehr erlebt.

Im S√ľden erstreckte sich die gewaltige und um ein Vielfaches gr√∂√üere als heute gewesene antarktische Eiskappe in Richtung Afrika und Neuseeland und bedeckte im Winter sogar die Kerguelen. Die thermohaline Zirkulation war unterbrochen, ihr Strom trug kein kaltes Wasser aus dem Nordatlantik in den antarktischen Ozean. Die s√ľdliche Hemisph√§re war konstant k√ľhl, wenn die Abk√ľhlung auch langsamer erfolgte als im Norden.

9.500 v. Chr.

Pl√∂tzlich erw√§rmte sich die gesamte Erde in vierzig Jahren um 15 ¬įC.    

Vierhunderttausend Jahre Klimageschichte, aufgezeichnet in Eisbohrkernen, haben nie wieder einen Temperaturanstieg von solcher Intensität gezeigt. Innerhalb weniger Jahre verdoppelte sich die Methankonzentration in der Atmosphäre und auch die von Stickstoff und Argon stieg an. Die atmosphärische Konzentration von Kohlendioxid erreichte 240 ppm.

Wir sind nicht sicher, welche Ereignisse eine so starke Erw√§rmung verursacht haben k√∂nnten. Bekannt ist, dass die Temperaturen im n√∂rdlichen tropischen Atlantik anzusteigen begannen, was zu einer deutlichen Erw√§rmung der Gezeiten f√ľhrte. Zwanzig Jahre sp√§ter war die Temperatur innerhalb von f√ľnf Jahren um 7 ¬įC stark angestiegen. In f√ľnfzehn Jahren danach war die globale Durchschnittstemperatur schlie√ülich um weitere 8 ¬įC gestiegen. Es bedurfte zwangsl√§ufig eines Kataklysmus, damit sich der Planet Erde so abrupt erw√§rmte.

Eine Standardtheorie f√ľhrt diese Erw√§rmung auf einen Meteoriten zur√ľck. Eine riesige Kugel aus Eis hatte die Atmosph√§re durchquert. √úber den Nordatlantik kommend, war sie in kleinen Bruchst√ľcken explodiert. F√ľnfzigtausend Eisbrocken waren in Nordamerika eingeschlagen und hatten viele L√∂cher geschlagen, die wir heute noch sehen k√∂nnen: die Carolina Bays. Die durch diese Einschl√§ge freigesetzte Energie hatte genug W√§rme freigesetzt, um eine pl√∂tzliche Erw√§rmung zu verursachen, die das Ende der j√ľngsten Dryas einleitete.

Das Niederschlagsregime √§nderte sich. Der Monsun verschwand fast vollst√§ndig aus seinen √ľblichen Gebieten. Er zog sich nach S√ľden zur√ľck. Die Sahara erfuhr eine sehr lange Periode der W√ľstenbildung: Sie wurde gr√ľn, sogar sumpfig. Krokodile und Nilpferde siedelten sich an.

Der Mensch meidet Regionen, die zu w√ľsten√§hnlich sind. In China und Europa waren riesige H√ľgel entbl√∂√üt worden. Der L√∂ss war kahl. Die Gletscher hatten alle Pflanzen- und Mineralienbedeckung weggesp√ľlt. Diese mit leichter Erde bedeckten W√ľsten waren zu Windbeschleunigern geworden: Aeolus hatte die Erdoberfl√§che ausgetrocknet. Sein Atem trug schmutzige Wolken fort, die den Himmel bedeckten. Der Wind verjagte die Beute. Unsere Vorfahren haben diese Regionen dann gemieden.

Der Mensch w√§hrend der j√ľngsten Dryas

W√§hrend Hunderttausenden von Jahren Evolution musste sich der Mensch jeder erdenklichen Situation auf der Erde stellen. Wir mussten uns anpassen. Beim aufrechten Stehen ruhte der Kopf des Homo nun auf der Wirbels√§ule, was die Nackenmuskulatur entlastete. Das Gehirn durchlief eine spektakul√§re Entwicklung. Das Volumen unseres Sch√§dels dehnte sich nach vorne aus, um unserem st√§ndigen Anpassungsbed√ľrfnis gerecht zu werden. Der pr√§frontale Kortex, in dem die planerischen F√§higkeiten sitzen, entwickelte sich noch mehr. Reaktive Verhaltensweisen reichten nicht mehr aus. Unsere Kreativit√§t √ľbertraf die aller bekannten Lebewesen.

Wie bei vielen Spezies durchlief die Evolution von M√§nnchen und Weibchen eine deutliche Spezialisierung. Unsere F√§higkeit dank der Sprache zu kommunizieren verwandelte diese Unterschiede in Komplementarit√§t. Das war ein bedeutender Vorteil: M√§nner und Frauen kooperierten als Team. Die Spuren, die in der Jungsteinzeit hinterlassen wurden, zeigen eine Differenzierung der Rollen. M√§nner jagten, w√§hrend Frauen die Unterkunft organisierten und bewachten und jede Gefahr analysierten. M√§nner mussten die Flugbahn ihres Speers absch√§tzen und sie im Raum mit der eines rasenden Tieres synchronisieren. Diese Verhaltensweisen f√ľhrten zu erheblichen Unterschieden in der Gehirnstruktur beider Geschlechter. Die Intelligenz der Paare wurde vervielfacht.

Die genetische Ausstattung von Menschenaffen unterscheidet sich von der des Menschen um nur 1,6 %. Bei M√§nnern und Frauen betr√§gt dieser Unterschied 5 %. Das menschliche M√§nnchen gleicht also genetisch eher einem Menschenaffen, als einer Frau! Die Frau ist im gleichen Verh√§ltnis genetisch n√§her an einem Affenweibchen. Die Augen der Frau haben einen zwanzig Grad gr√∂√üeren Sehwinkel als die des Mannes. M√§nner haben einen besseren, zielgerichteten Blick in die Ferne. Nat√ľrlich geht es hier nicht um √úberlegenheit, sondern um Komplementarit√§t, die sich mit der Verbesserung der Sprache noch verst√§rken w√ľrde. Schon die neolithische Frau war zeit- und kommunikationsorientierter als ihr Mann, der eher raum- und leistungsorientiert war. Es wird allgemein angenommen, dass die linke (konzeptionelle) Gehirnh√§lfte bei Frauen und die rechte (rationale) Gehirnh√§lfte bei M√§nnern st√§rker entwickelt ist, aber schon die Dicke des Corpus callosum der Frau ist ein entscheidender Faktor. Er verbindet die vier Lappen des Gehirns miteinander. Frauen benutzen im Allgemeinen besser entwickelte Rezeptoren: H√∂ren, Riechen, Tasten. Sie haben ihre Sinne entwickelt. Ein J√§ger muss sich im Schweigen √ľben k√∂nnen, er spricht wenig, w√§hrend Frauen die Sprache untereinander als effektives Mittel einsetzen. Damit diese Unterschiede zwischen den beiden Geschlechtern komplement√§r werden konnten, hatte sich das menschliche Gehirn auch auf der Seite des Frontallappens stark erweitert. Er ist ein wichtiger Bereich f√ľr alle sozialen Interaktionen. Er sorgt unter anderem f√ľr die F√§higkeit, sich die Gedanken der anderen anders vorzustellen als die eigenen.

Das m√§nnlich-weibliche Paar verf√ľgte also √ľber eine Intelligenz und ein Verst√§ndnis, das dem aller S√§ugetiere weit √ľberlegen war. Das war notwendig, um sich erfolgreich an den Klimawandel am Ende der j√ľngsten Dryas anzupassen.

Natufianer

Das Gebiet der Natufianer hat wahrscheinlich Israel, Pal√§stina und den Libanon umfasst. Wie die meisten Sapiens waren sie ein Volk von J√§gern und Sammlern. Als das Klima nach dem Abschmelzen der Gletscher k√§lter wurde, wurden ihre √ľblichen Beutetiere rar. Sie wurden zu Bauern. W√§hrend der Wiedererw√§rmung 9.500 v. Chr. schufen sie die fantastischste Zivilisation ihrer Zeit.

Das Klima im Mittelmeerraum √§nderte sich mit voller Geschwindigkeit. In zwei Generationen war es von ‚Äěkalt und nass‚Äú zu ‚Äěhei√ü und trocken‚Äú √ľbergegangen.  Die dichten W√§lder trockneten aus, ebenso die Fl√ľsse. Wenn sie nicht verdursteten, wanderten die Tiere ab. Jagen war keine Option mehr.

Insekten haben schon immer und werden auch in Zukunft weit mehr unter dem Klimawandel leiden als der Mensch. Das Ende der Dryas war eine Hekatombe. Viele Pflanzen wurden nicht mehr von ihren symbiotischen Insekten best√§ubt. Pflanzen deren Befruchtung nicht den ‚ÄěInput‚Äú von Insekten, sondern die Bewegungen des Windes ben√∂tigten, hielten besser stand. Dazu geh√∂rten selbstbefruchtende Gr√§ser. Diese Getreidevorfahren wuchsen mit langen trockenen St√§ngeln, an deren Spitze ein paar K√∂rner sa√üen. Sie waren essbar und brachten Energie. Die Samen und das Mehl konnten konserviert werden. Die Natufianer bauten es schlie√ülich f√ľr sich an.

Im √∂stlichen Mittelmeerraum litten die S√§ugetiere unter Wassermangel. Sie hatten in der kalten Jahreszeit keinen Schnee mehr und fanden in der warmen Jahreszeit keine Fl√ľsse. Also scharten sie sich um die wenigen Wasserstellen. Die Jagd war hervorragend, bis diese Fl√§chen zugewachsen waren. Mit der D√ľrre ver√∂deten sie. Die Herden zogen nach Norden und immer weiter weg. Die Menschen mussten sich zwischen Fleisch und Wasser entscheiden. Die Natufianer w√§hlten Letzteres. Sie begannen damit, die Landschaft zu z√§hmen.

W√§hrend der j√ľngsten Dryas-Vergletscherung lebten die Natufianer in dichten W√§ldern. Das Ernten war aufgrund des √úberflusses einfach. Einzige Regel war, wertvolle Pflanzen zu sch√ľtzen oder sogar neu zu pflanzen. Es gab weniger Beute, daher wurde das Ernten wichtiger f√ľr ihre Ern√§hrung. Frauen sammelten, was sie im Wald fanden und pflanzten es in der N√§he der Behausungen an. Das √úberleben hing von ihrem Jagdrevier ab, also sch√ľtzten sie es vor Eindringlingen und besetzten es.

Die dichten W√§lder verschwanden innerhalb von zwei Generationen. Man konnte sich der Beute nicht mehr im Verborgenen n√§hern und Speere hatten eine begrenzte Reichweite. Auf der ganzen Welt wurde der Atlatl erfunden: ein gebogenes St√ľck Holz, halb so lang wie der Speer, das an einem Ende der Waffe befestigt wurde. Es erm√∂glichte eine h√∂here Leistung. Das Projektil erreichte 100 km/h und konnte Tiere in einer Entfernung von bis zu 100 m t√∂ten. Doch die Kraft des Atlatls ging auf Kosten der Pr√§zision.

Die Natufianer begannen, B√∂gen in gro√üen Mengen zu produzieren. Diese Entscheidung l√∂ste einen gro√üen technologischen Sprung aus. Viele J√§ger des Pal√§olithikums benutzten diese Waffe, aber jeder stellte seine eigenen Pfeile her. Indem sich ein Mann der Holzproduktion (Auswahl, Schneiden, Gl√§tten, Verst√§rken) und ein anderer dem Schneiden der Pfeile widmete, erm√∂glichte dies die Spezialisierung der Handwerker. Qualit√§t folgte. Besser gesagt: sie gruben einen gro√üen flachen Feuerstein aus, um einen Rahmen herzustellen, der f√ľr die Aufnahme des Bogens bestimmt war. Es erm√∂glichte die gleiche L√§nge und Kr√ľmmung f√ľr alle B√∂gen. Mit zwei Holzkeilen konnte die Waffe in eine niedrige Spannposition gebracht werden. Es wurde einfach, ihn zu reparieren oder eine neue Sehne daran zu befestigen. Diese wurde aus d√ľnnen Streifen geflochtener Gazellensehnen hergestellt. Dieses ‚ÄěJagdwerkzeug‚Äú erwies sich als sehr effizient: Die J√§ger schossen pr√§zise Antilopen aus hundert Metern Entfernung. Die B√∂gen waren identisch und boten bei vermutlich gleichem Holz gleiche Leistung. Gewicht und Form mussten Hand in Hand gehen. Deshalb war es notwendig, pr√§zise und fast identisch zu fertigen. Dies erforderte es, dass die Handwerker in den besten Techniken geschult wurden. Der Qualit√§tssprung war so entscheidend, dass er den Beginn der Jungsteinzeit kennzeichnet.

Natufianerinnen pflanzten W√§lder von Pistazienb√§umen in einer Reihe. In jede nat√ľrliche Mulde setzten sie einen Feigenbaum. Faule Bl√§tter, die an ihrem Stamm gefunden wurden, beweisen, dass die Stellen st√§ndig feucht waren. Es wird vermutet, dass die Natufianerinnen diese Feuchtigkeit freiwillig aufrechterhielten. Sie erm√∂glichte so Rekordernten. Die Wahl der beiden Fr√ľchte ist nicht dem Zufall geschuldet: in der Sonne getrocknet, halten sie sich von einem Jahr zum n√§chsten und sind sehr nahrhaft.

Innerhalb weniger Generationen und inmitten eines heftigen Klimawandels, hatten die Natufianer einen Weg gefunden, sich vor Hunger zu sch√ľtzen. Andere Entdeckungen w√ľrden es ihnen erlauben, zum ersten Mal eine Zivilisation zu gr√ľnden.

Graslandschaften √ľbers√§ten die Ebenen, die Natufianerinnen des Jordantals sammelten Samen. Sie hatten die Idee, diese in der N√§he ihrer Behausungen auszus√§en. Es waren die ersten Felder. Sie erfanden die Sichel, ein ausgewogenes und effizientes Werkzeug. Sie entdeckten, dass das Verbrennen von Stoppeln die Erde anreichert, flochten aus Fasern K√∂rbe und lernten, wie man Steine bearbeitet, um geeignete M√∂rser herzustellen.

Um ihren Lebensraum an den Klimawandel anzupassen, lie√üen sie sich von Tierh√∂hlen inspirieren. Ihre H√§user, grob gesehen rund, ma√üen zwischen 3 und 5 Metern im Durchmesser. Sie dienten auch als gesch√ľtzter Lagerplatz. Ihr Bau erforderte einen betr√§chtlichen Aufwand, denn ihre Werkzeuge beschr√§nkten sich auf feuergeh√§rtete Holzpf√§hle und Tierschulterknochen (als Schaufel). Sie gruben ihre H√§user bis zu einer Tiefe von 1,40 Metern in den felsigen Lehm, in dem die Temperatur das ganze Jahr √ľber mehr oder weniger konstant blieb. Diese Behausungen waren mit √Ąsten bedeckt, gest√ľtzt von ein paar St√∂cken, die als Pfeiler dienten. Ihre H√§user hatten die Silhouette eines zu drei Vierteln eingegrabenen Iglus. Der Boden dieser Orte blieb das ganze Jahr √ľber bei Temperaturen nahe 18 ¬įC. Ihr Lebensraum blieb also besonders gem√§√üigt, unabh√§ngig vom Klima.

Die Gr√ľnderv√§ter der Jungsteinzeit

In den √úberresten eines ihrer D√∂rfer wurde eine faustgro√üe Statue gefunden. Sie stellt ein Paar dar, das sich liebt. Diese Steinskulptur ist eher mit Gef√ľhlen als mit Erotik geladen. Die beiden K√∂rper sind z√§rtlich umschlungen. Mann und Frau stehen sich gegen√ľber. Es ist der erste k√ľnstlerische Ausdruck von Liebe.

Auf den Friedhöfen waren die Leichen tief begraben. Sie lagen alle in gestreckter Position. Ihre Lage erinnert an ewige Ruhe. Ein Drittel der entdeckten Gräber enthielten Kinder im Alter zwischen 5 und 7 Jahren. Frauen starben in der Regel im Kindbett. Die Natufianer respektierten ihre Toten. Vielleicht haben sie eine Urreligion entwickelt. Das ist aber nicht belegt.

Sie passten sich gut an das neue Klima an und taten dies schneller als ihre Nachbarn. Sie erfanden auch Karawanenrouten und den Handel.

Die D√ľrre hatte Gemeinschaften an den Wasserstellen angesiedelt. So konnte man von einer zur anderen ziehen und Waren austauschen. F√ľr ihre getrockneten Feigen und B√∂gen erhielten sie von den Anatoliern scharfe Steine und Obsidiane. Ihre Karawanen brachten Strau√üeneier aus dem Niltal, die sie als Beh√§ltnisse f√ľr Mehl verwendeten. Sie importierten auch Malachit f√ľr ihren Schmuck.

Da sie Hunderte von Kilometern zu Fu√ü zur√ľcklegten, brauchten sie ein Transportmittel. Sie stellten dann fest, dass wilde Hunde ebenso wenig Nahrung hatten wie sie einst selbst. Einige n√§herten sich ihren D√∂rfern, um die √úberreste der von Menschen verschm√§hten Tiere zu fressen. Die Natufianer fanden heraus, dass diese Tiere demjenigen, der sie f√ľtterte, bereitwillig die Treue schworen. Sie gaben ihnen so viel Knochenknorpel zum Nagen, dass sie schlie√ülich mehrere Tiere domestizierten. Sie hatten ein Geh√∂r und einen Geruchssinn, der dem des Menschen weit √ľberlegen war. Sie konnten den auf ihre Schultern gebundenen Schlitten tragen und wurden zu hervorragenden Jagdgef√§hrten. In einem der Friedh√∂fe wurde ein Mann gefunden, der mit seinen beiden Hunden begraben war. Es gibt auch einen kleinen Jungen, der mit seinem Welpen im Arm begraben wurde. Zwischen den Natufianern und ihren Hunden, den ersten Haustieren, wurden emotionale Bindungen aufgebaut.

Der Klimawandel am Ende der letzten Dryas hatte einen tiefgreifenden Wandel in der Kultur der Natufianer ausgelöst. Ihr Volk hatte einen besonders brutalen Klimawandel erlebt. In kaum zwei Generationen war ihre Lebensweise auf den Kopf gestellt worden. Durch die Erfindung von Massenproduktion und Handel trafen sie auf andere Völker und der Austausch von Wissen wurde systematisch. Das goldene Zeitalter des Handwerks begann.

Anpassung der natufischen Lebensweise

W√§hrend der j√ľngsten Dryas hatten sich die J√§ger und Sammler an die K√§lte angepasst. Sie wussten, wie sie die Felle ihrer Beute nutzen konnten, um sich vor den Temperaturen zu sch√ľtzen. Sie lebten in einem der reichsten W√§lder der Welt, dem mediterranen Eichenwald. Sie √ľberquerten √ľberall Fl√ľsse, die nach Westen flossen. Die J√§ger brachten alle Arten von Fleisch mit: Hirsche, Damwild, Wildschweine oder B√§ren als schmackhafteste Delikatesse. Sie benutzten haupts√§chlich Jagdnetze, um ihre Beute bewegungsunf√§hig zu machen und sie mit Pf√§hlen zu t√∂ten. Kleine Beutetiere fingen sie in Fallen. Sie hatten gelernt, wie man hochwertige Seile herstellt. Diese Jagdweise erforderte die F√§higkeit, in einem dichten Wald zu rennen und die Waffe mit Kraft und Pr√§zision beim Rennen zu werfen. Unf√§lle passierten wohl h√§ufig.

Die Natufianerinnen sammelten Eicheln und Erbsen. Sie hatten gelernt, sie mit einem St√∂√üel im M√∂rser zu zersto√üen. Sie garten sie auf flachen Steinen im Feuer. Die von ihnen gefundenen Knollen wurden in der Glut gegart. An Fr√ľchten herrschte in den W√§ldern kein Mangel.

Dann kam die Hitze. In f√ľnf Jahren war die globale Durchschnittstemperatur um 7 ¬įC gestiegen. Da die Temperaturen in der intertropischen Zone jedoch niedriger waren, muss der √∂stliche Mittelmeerraum einen Anstieg von mehr als 10 ¬įC erlebt haben. Es h√∂rte auf zu regnen. Die Regenmenge wurde fast dreigeteilt! Abgesehen von Hasen und Kaltbl√ľtern zogen die Beutetiere nach Norden, weil es dort angenehme Temperaturen und Hygrometrie gab.

Es gab Gebiete, in denen √ľberall auf der Welt nur wenige Menschen lebten, was auf die mediterranen W√§lder in der Levante nicht zutraf. Es war so reich an Fr√ľchten und Tieren, dass die Menschendichte hoch war. Eine Gruppe von J√§gern und Sammlern ben√∂tigte etwa 300 bis 500 km¬≤, um dort zu leben. Gl√ľcklicherweise versuchten die meisten von denen, die im Landesinneren jagten, ihre Lebensweise beizubehalten: Sie folgten dem Wild in den Norden. Die Region war entv√∂lkert. Das war das gro√üe Gl√ľck der Natufianer. Jede Gruppe des Clans war in der Lage, ein Territorium von mehr als 2.000 km¬≤ zu bewirtschaften.

Die disruptive Anpassung der natufischen Lebensweise

Bis zum jetzigen Zeitpunkt in der geschichtlichen Abfolge bevorzugten die Menschen die Jagd. Sie hatten sich entschieden, in der N√§he des Wassers zu bleiben. Sie mussten hoffen, dass sich das Klima erholen und die Beute zur√ľckkehren w√ľrde. Nichts von alledem geschah. Innerhalb von f√ľnf Jahren waren viele Quellen und B√§che verschwunden. Die niedrige Vegetation des Waldes begann am Boden zu verdorren. Die Tiere waren verschwunden. Die Fr√ľchte begannen zu versiegen. Sie hatten all ihr Wissen von ihren Eltern erhalten, aber dieses Wissen war nicht mehr g√ľltig: Die Umst√§nde √§nderten sich...

Dann vollendete der zweite Temperaturanstieg, was der erste begonnen hatte. Die Luft in der Levante erw√§rmte sich um gut zehn Grad. Wenn sie tags√ľber eine Temperatur von 25 ¬įC erwarteten, bekamen sie tats√§chlich 35 ¬įC! Die Natufianer begannen sich zu f√ľrchten: Die Herden zogen weiter, sie hatten keine Chance sie einzuholen. Der Wald, von dem sie ihren gesamten Lebensunterhalt bestritten, war dabei, komplett abzusterben. Trotz ihrer Bem√ľhungen hungerten sie.

Sie wussten, wie man B√§ren jagt. Der B√§r war aber geflohen und √ľberhaupt gab es keine Tiere mehr, die sie in ihren gro√üen Netzen fangen konnten. Aber ein neues, sehr wildes Wild tauchte auf: die Gazelle. Sie konnten die J√§ger schon von weitem riechen oder h√∂ren. Sie hatten keine Chance, eine von ihnen zu erlegen, indem sie hinterherliefen und die gleiche Strategie anwandten. Ihre einzige Chance bestand darin, auf ihre Beute zu achten, wenn sie sich in der N√§he von Wasserstellen, die immer seltener wurden, aufhielten. Familiengruppen trafen sich an den Wasserstellen, rieben sich aneinander, kamen zusammen. Sie lebten schlie√ülich Seite an Seite mit ihren Familien. Als sich die fleischlosen Tage h√§uften, wurden sie wieder zusammengef√ľhrt und zur gegenseitigen Hilfe gezwungen. Sie suchten gemeinsam nach L√∂sungen. Die Netzjagd war keine Option mehr. Sie mussten etwas Neues erfinden.

Als die D√ľrre einsetzte und der Wald sich lichtete, hatten die Natufianerinnen bemerkt, dass die wilden K√∂rner mehr und mehr wuchsen. Sie mussten zwar enorme Strecken mit ihren Schneidsteinen und K√∂rben zur√ľcklegen, aber sie bewahrten ihr Volk vor dem Verhungern. Sie hatten ihre Ern√§hrung umgestellt.

Da die Familiengruppen nun gemeinsam um die letzten Wasserl√∂cher herum lebten, begannen sie, feste Behausungen zu bauen, eine neben der anderen. Sie ver√§nderten ihre Lebensweise, indem sie das Dorf erfanden. Sie konnten die F√§higkeiten eines jeden vergleichen und eine neue Organisation w√§hlen, in der die besten Leistungen in jeder Aufgabe bevorzugt wurden. Diese Spezialisierung der individuellen Gaben f√ľhrte zur Entstehung einer neuen Rolle: der des Handwerkers.

Die Verteilung der Aufgaben zwischen den Handwerkern ermöglichte es, die Qualität und Standardisierung der Werkzeuge zu verbessern. Sie legten Netze und hölzerne Speere zugunsten verbesserter Bögen und Pfeile ab.

Mit diesen ‚Äěneuen‚Äú Waffen konnten die Natufianer gro√üe Herden von Gazellen, Pferden und Antilopen jagen. Die Versorgung mit Fleisch war nicht l√§nger ein Problem. Die Frauen der Natufianer pflanzten um ihre D√∂rfer herum Getreide und einige Gem√ľsesorten an und domestizierten sie so. Sobald ihre Pistazien- und Feigenbaumplantagen wieder maximalen Ertrag einbrachten, herrschte Nahrungs√ľberfluss.

Dies erm√∂glichte das Wachstum des Handwerks, da weniger Menschen f√ľr die Versorgung mit Nahrungsmitteln ben√∂tigt wurden.

Die Natufianer haben akzeptiert, ihre alten Gewohnheiten abzulegen, um sich den neuen Bedingungen anzupassen. Sie machten sich die daran, das zu verbessern, was sie hatten, und in Innovationen zu investieren. Die besten Handwerker widmeten sich nur noch ihrer T√§tigkeit. Das Schleifen von Steinen erreichte eine f√ľr die damalige Zeit au√üergew√∂hnliche Qualit√§t und die immer pr√§zisere Bearbeitung von Knochen erm√∂glichte die Herstellung von Hochleistungswerkzeugen. Man importierte 100 kg schwere Basaltm√∂rser, die von den Golanh√∂hen transportiert wurden. Aus dem Atlantik mitgebrachte Muscheln wurden f√ľr die Herstellung von Hakennadeln verwendet. Einige Pfeilspitzen, die aus behauenem Stein gefertigt waren, wurden angestrichen, um sie leiser zu machen. Sie benutzten alles, von der Gazelle bis zum Morgentau. Sie stellten Fischernetze, Schmuck und Werkzeuge her. Geschnitzte Steine wurden zum Ausrichten der B√∂gen verwendet. Weil sie alle ungef√§hr die gleiche Gr√∂√üe und Kr√ľmmung haben mussten, waren die Pfeile nun √§hnlich und ihre Spitzen gleich schwer. Sie schufen nicht nur ein Werkzeug, sondern produzierten es in gro√üen und identischen Mengen und versuchten, die besten Verfahren zu duplizieren. Sie strebten nach mehr Pr√§zision und versuchten st√§ndig, jede Geste, jeden Gegenstand zu verbessern. Jeder Handwerker spezialisierte sich auf eine T√§tigkeit. Das Handwerk entstand.

Die Natufianer waren fast verhungert. Der Klimawandel hatte sie in die Enge getrieben. Sie hatten keine andere Wahl, als ihre angestammten Errungenschaften in Frage zu stellen. Also hatten sie all ihre Energie darauf verwendet, sich an die neue Situation anzupassen. Sobald sie vor dem Hunger gesch√ľtzt waren, entfaltete ihr Erfindungsreichtum seine ganze Kraft. In weniger als f√ľnfzig Jahren √§nderten sie ihre Lebensweise und lebten gl√ľcklicher als zuvor.

Es wird allgemein angenommen, dass die Natufianer die erste Zivilisation waren. Sie markieren den √úbergang der Menschen in das Neolithikum. Die Verschiebung des Monsuns am Ende der j√ľngsten Dryas nach S√ľden erm√∂glichte jedoch auf der anderen Seite der Welt die Entstehung von zwei anderen Zivilisationen. Sie w√§hlten genau die gleiche L√∂sung, um sich vor dem Hunger zu sch√ľtzen: den Anbau von Pflanzen. Die Natufianer selektierten Obstb√§ume, die Mexikaner des Rio Balsas begannen, Gem√ľse und Str√§ucher zu hybridisieren, die Chinesen des Jangtse-Tals veredelten B√§ume, um so Rekordernten zu erzielen.

Das gleiche Muster ist in der gesamten Geschichte zu finden. Jede dramatische Veränderung der Temperatur oder der Niederschlagsmuster verändert die Art und Weise, wie die Menschen leben. Die Lösungen variieren je nach Umwelteinfluss und kulturellem Filter. Jedes Mal entstand eine neue dominante Zivilisation.

Weitere Informationen:

Das Holoz√§n ist ein geologisches Zeitalter, das auf das Pleistoz√§n (von 2.500 bis 10.000 Jahren v. Chr.) folgt und dem heutigen Anthropoz√§n (seit 2000) vorausgeht, w√§hrend das Neolithikum ein zivilisatorisches Zeitalter ist, das auf das Mesolithikum und das Pal√§olithikum folgt. Das Chalkolithikum oder ‚ÄěKupferzeitalter‚Äú h√§ngt vom Zeitpunkt der Verbreitung von Kupfer in den jeweiligen Gebieten ab. Sie entspricht dem Ende des Neolithikums und wird von der Bronzezeit und dann von der Eisenzeit abgel√∂st. Ein Gro√üteil der Regionen der Welt ging direkt in die Bronzezeit √ľber, ohne eine Kupferzeit gekannt zu haben.

R. B. Firestone ver√∂ffentlichte 2007 eine Studie, die das Ende der J√ľngeren Dryas auf einen Asteroiden mit einem Durchmesser von 4,6 km zur√ľckf√ľhrt, der seinen Ursprung au√üerhalb des Sonnensystems hatte. Der Haupteinschlag h√§tte den Michigansee und m√∂glicherweise weitere gro√üe Seen entstehen lassen. Dies wird immer noch als Hypothese betrachtet.

Die Entstehung der Carolina Bays konnte nie datiert werden. Alle diese Vertiefungen sind ausgerichtet, was zeigt, dass sie durch den Aufprall von Objekten, die √ľber dem nord√∂stlichen Atlantik kamen, auf Land entstanden sind. Die meisten befinden sich in Nordamerika (insbesondere im Staat Carolina), wurden aber auch schon bis nach Belgien gesichtet. Seitdem haben die Gletscher all diese Regionen abgehobelt und die meisten dieser Spuren ausgel√∂scht. Sicher ist nur, dass diese extraterrestrischen Objekte nicht aus Stein, sondern aus Eis waren.

Der Begriff Neolithikum bedeutet ‚Äěneuer Stein‚Äú. Dieses Zeitalter ist also das der mit viel gr√∂√üerer Pr√§zision bearbeiteten Steine. Es wird √ľblicherweise als ‚ÄěZeitalter des behauenen Steins‚Äú bezeichnet, w√ľrde aber genauer als ‚ÄěZeitalter der Feuersteinindustrie‚Äú bezeichnet werden.

Da die beiden Umw√§lzungen nahe beieinander liegen, ist es ein verbreiteter Irrtum zu glauben, dass ‚Äěder neue Stein‚Äú derjenige war, den der Mensch erfunden hat: Terrakotta. Terrakotta ist die erste gro√üe Erfindung des Neolithikums. Sie erm√∂glichte die Konservierung von K√∂rnern und Fl√ľssigkeiten. Sie erm√∂glicht das Kochen im Wasser bei geringer Hitze, wodurch mehr aktive N√§hrstoffe erhalten bleiben als beim Kochen auf Stein oder beim Grillen √ľber der Glut. Die Verwendung von Terrakotta zum Kochen verbessert die Nahrungsmenge erheblich in Bezug auf die Energie, die zum Sammeln der Nahrung ben√∂tigt wird. Man geht allgemein davon aus, dass die Entdeckung (und Verbreitung) von Terrakotta eine solche Verbesserung der Effizienz der Nahrungsverdauung bewirkte (durch das Kochen werden die meisten langkettigen Molek√ľle zerbrochen), dass sie es den jungen M√§nnern erm√∂glichte, sich auf andere Aufgaben als die Nahrungssuche zu spezialisieren und so die f√ľr den √úbergang in die Bronzezeit notwendige Opulenz zu erlangen.

Das Verschwinden des S√§belzahntigers aus den gem√§√üigten Breiten w√§hrend der J√ľngeren Dryas war f√ľr die Menschen ein Segen. Er war ihr nat√ľrlicher Feind. Pl√∂tzlich stellten diese Lebensr√§ume eine viel geringere Gefahr dar.

Die Arch√§ologen, die die Natufianer-D√∂rfer ausgegraben haben, haben Brunnen innerhalb der H√§user aufgef√ľhrt. Es gab offenbar einen Brunnen pro Dorf, der in den Boden eines der gro√üen ‚ÄěH√§user‚Äú gegraben war. Einer der Wissenschaftler war ger√ľhrt von den armen Menschen, die erhebliche Anstrengungen unternommen haben m√ľssen, um in den Boden (1,40 m unterhalb der Erdoberfl√§che) Brunnen zu graben, die 3 bis 4 Meter tief waren und 1 Meter Durchmesser hatten, und von denen man sicher ist, dass sie immer vollkommen trocken waren. Der Arch√§ologe hatte die Thermik des Ortes nicht bedacht: es waren keine Brunnen, sondern K√ľhlvorrichtungen. Sie speicherten die k√ľhle Luft der Nacht und durch die Schichtung blieb ihr Boden auch am n√§chsten Tag frisch. Fleisch konnte dort auch dann gelagert werden, wenn die Temperaturen an Sommertagen 40 ¬įC erreichten. Es handelte sich also um st√§ndig frische Lagerr√§ume, in denen man Eiwei√üreserven aufbewahren konnte.

Um ihre H√§user zu bauen, mussten die Natufianer harte Erde aus Lehm bis zu einer Tiefe von 1,40 m ausheben, die harte Steine umschloss. Wir sind uns ziemlich sicher, dass wir wissen, wie sie das gemacht haben. Es wird vermutet, dass sie jeden Abend ihr Gemeinschaftsfeuer etwas oberhalb des n√§chsten Hauses platzierten. Unter der Glut trocknete die Hitze der Feuerstelle den Lehm aus, der rissig wurde und die Steine freigab. Am Morgen gen√ľgte ein Pflock, um die Steine zu lockern und die Risse zu erweitern. Diese Erkl√§rung impliziert jedoch, dass das Feuer, das 1,40 Meter tiefer als der Boden lag, nach einigen hundert Tagen schlecht gebrannt haben muss, und vor allem ist man angesichts des Erfindungsreichtums der Natufianer erstaunt, dass sie bei der Beobachtung der Beziehung zwischen Feuer und Lehm nicht schlie√ülich Terrakotta entdeckten.

In der Nanjing-H√∂hle in China zeigen Stalaktiten die Intensit√§t der Monsune in den letzten 220.000 Jahren. Von allen war die regen√§rmste Periode diejenige, die der Erw√§rmung nach dem J√ľngeren Dryas entsprach.

Die Periode, in der die Wintermonsune am st√§rksten waren, wird auf die Zeit zwischen 780 und 900 n. Chr. datiert. Die K√§lte und der Regen lie√üen die Ernten verfaulen und markierten das Ende der Tang-Zivilisation (in China). Dies wurde von milderem Klima (w√§rmer und weniger feucht) in West- und S√ľdeuropa begleitet: der Aufstieg der andalusischen und Wikinger-Zivilisationen, die Kreativit√§t des Mittelalters. Es f√ľhrte zu einer noch nie dagewesenen D√ľrre in Mesoamerika (darunter drei Jahre ohne einen Tropfen Regen): Die gro√üen Maya-St√§dte leerten sich, da ihre Brunnen trocken geworden waren.

Die Natufianer hatten um 9.500 v. Chr. Hunde domestiziert. Ziegen wurden in Anatolien etwa zur gleichen Zeit domestiziert, wenn auch wahrscheinlich ein Jahrhundert später. Ziegen und Schafe wurden in größerem Umfang im Nahen Osten bereits im neunten Jahrtausend domestiziert. Die Schafe stammen vom kleinasiatischen Dickhornschaf ab, das wiederum vom Mufflon abstammt.

Der Auerochse, ein so m√§chtiges Tier, muss schwer zu z√§hmen gewesen sein. Er lieferte einen perfekt nachwachsenden Rohstoff: Milch. Die Menschen des Neolithikums zeigten daher gro√üe Ausdauer. Mit fortschreitender Gefangenschaft wurde festgestellt, dass die Gr√∂√üe und Breite der Schultern der Rinder abnahm. Die ersten dokumentierten Zuchtversuche fanden im 9. Jahrtausend v. Chr. in Syrien statt. Die des Zebus in Indien stammen aus dem 7. Jahrtausend und die des asiatischen B√ľffels aus dem 5. Die Genetik hat gezeigt, dass 80 % der heutigen Rinder von einer einzigen Herde von 80 iranischen Auerochsen stammen. Es wird angenommen, dass sich die in einem geschlossenen Tal gestrandeten Tiere nach einer jahrhundertelangen D√ľrre in dieser Region an den Wassermangel angepasst haben, indem sie kleiner wurden. Der Auerochse war zu m√§chtig und zu unhandlich, um domestiziert zu werden (Journal of Molecular Biology and Evolution, 2012), er war sogar gr√∂√üer als der Bison. Man beachte, dass Genetiker immer noch nicht die Mutation gefunden haben (die durch Epigenetik entstanden w√§re), die den Wechsel vom Auerochsen zum Rind erkl√§ren w√ľrde.

Um 11.400 v. Chr. fand die letzte gro√üe Vereisung des Quart√§rs statt: die J√ľngere Dryas. Diese Vereisung endete um 10.000 v. Chr. mit einer unglaublich schnellen Erw√§rmung. Etwa 50 % der S√§ugetiere √ľber 40 kg (einschlie√ülich des Menschen) waren verschwunden. Sie hatten der Brutalit√§t dieses Klimawandels nicht standgehalten.

Im Jahr 10.000 v. Chr. lag die menschliche Bev√∂lkerung zwischen drei und f√ľnf Millionen Wesen. Im Jahr 5.000 v. Chr. waren es etwa zwanzig Millionen Menschen. Ein atemberaubendes Wachstum, das auf die Sesshaftigkeit, damit auf die Hygiene und damit auf das √úberleben von mehr Kleinkindern zur√ľckzuf√ľhren ist.

Verschiedene Indizien lassen vermuten, dass die natufische Kultur ein Matriarchat war.

Man entdeckte, dass sich die ersten Stämme mit Tuberkulose infizierten, als sich die Handelswege durchsetzten. Je weiter die Neolithisierung fortschreitet, desto mehr Spuren von Tuberkulose werden auf den Skeletten gefunden (Libanon, Syrien, Iran) und desto mehr verbreiten sich die parasitären Krankheiten. Es handelt sich um Einzelfälle. Eine Epidemie ist nicht nachweisbar.

Die katastrophale Erw√§rmung, die auf das Ende der J√ľngeren Dryas folgte, lie√ü auch gro√üe Mengen an Gletschern schmelzen, die sich an der Landoberfl√§che befanden. Der Pegel der Ozeane stieg um sechzehn Meter, mit einer Rate von 40 mm pro Jahr, und √ľberflutete alle K√ľstenebenen des Globus. Der Mississippi verursachte 9.650 v. Chr. eine riesige Flut. Dieser Wasseranstieg wird gemeinhin als ‚ÄěSchmelzwasserimpuls 1B‚Äú bezeichnet. Dieses Datum finden wir √ľbrigens bei Platon: Nach ihm h√§tten die √§gyptischen Hohepriester Solon erz√§hlt, dass die Flut, die die Zerst√∂rung von Atlantis verursachte, 9.000 Jahre zur√ľckliegt, die Reise Solons in √Ągypten aber auf 600 v. Chr. datiert.


8.2 KY

Eisbohrkerne, die an beiden Polen der Erde entnommen wurden, helfen uns dabei, Temperaturver√§nderungen von √ľber 400.000 Jahren zu verstehen. Wir sehen eine Abfolge von mehr oder weniger heftigen Vergletscherungen, durchsetzt mit Zwischeneiszeiten, die selten 3.000 Jahre √ľberschreiten, und dann seit 10.000 v. Chr. 12.000 Jahre lang keine Eiszeit.

Die Graphen, die von den Temperaturschwankungen im Laufe der Zeit gezeichnet werden, sind aller Ehren wert: Unsere Vorfahren durchlebten w√§hrend des Pal√§olithikums eine schwere Zeit. Die Kurve macht gro√üe, wiederholte und brutale Spr√ľnge nach oben oder unten. Aber wenn wir den j√ľngsten Teil, das Holoz√§n, betrachten, sehen wir √ľberraschenderweise engere und viel k√ľrzere Schwankungen, als ob es sich um eine unwahrscheinlich lange und stabile Zwischeneiszeit handeln w√ľrde, in der die Amplitude der maximalen Durchschnittstemperaturen niemals 6 ¬įC √ľberschreitet.

Diese gro√üe Stabilit√§t weist eine auff√§llige Ausnahme auf: eine feine Linie, die abrupt abf√§llt und wieder ansteigt. Sie wird im Allgemeinen mit ihrer englischen Abk√ľrzung als ‚Äě8.2 KY-Ereignis‚Äú bezeichnet, ‚Äědas Ereignis, das vor 8.200 Jahren stattfand‚Äú. Es ist in den gr√∂nl√§ndischen Messungen besonders deutlich, in den antarktischen jedoch kaum zu beobachten. Diese klimatische Anomalie war unbestreitbar spektakul√§r.

√Ąhnlichkeiten von 8.2 KY mit der j√ľngsten Dryas

Die Erde befand sich in einer Warmzeit, als ‚ÄěDeglaziation‚Äú bezeichnet: Die gro√üen Gletscher schmolzen. Im Norden des amerikanischen Kontinents, der das gesamte heutige Kanada bedeckte, bildete sich der Laurentidische Eisschild, einer der dicksten Gletscher dieser Zeit. Drei gro√üe Eisdome flossen nach S√ľden und bildeten an der Oberfl√§che die Seen Agassiz und Ojibway.

Diese beiden gigantischen Seen hatten zusammen eine Wasseroberfl√§che von 1,5 Millionen km¬≤ und eine durchschnittliche Tiefe von 210 m. Sie wurden durch drei Fl√ľsse durchflossen: den Mississippi im S√ľden, den St. Lawrence im Osten und vor allem das Mackenzie-Becken im nord√∂stlichen Kanada. Im St. Lorenz River betrug die Sedimentation etwa 3,3 cm pro Jahr. Vor 8.200 Jahren wurde es pl√∂tzlich in 20 Teile geteilt! Der Eisdom des Hudson kollabierte. Ein Asteroid war durch den Gletscher auf die Erde gest√ľrzt und hatte einen gigantischen Krater so gro√ü wie Frankreich, Deutschland und die Benelux-Staaten zusammen gegraben: Die Hudson Bay.

Durch die heutige Hudsonstra√üe str√∂mten dann 160 Billionen Tonnen S√ľ√üwasser in die Labradorsee. Diese gewaltige Menge an Eiswasser ergoss sich in nur 60 Jahren. Der Abfluss am Ausgang des Sees wurde viermal so gro√ü wie der aller Fl√ľsse der Welt zusammen! Der Labradorstrom kam zum Stillstand. Die Meere stiegen um 1,2 Metern am Mississippi-Delta bis zu 4 Metern an der M√ľndung des Rheins in Holland.

Die Ansammlung von ungesalzenem und eisigem Wasser verhinderte das thermohaline Abtauchen der Tiefenstr√∂mungen im S√ľdwesten Gr√∂nlands. Es kam zum Stillstand. Unter normalen Bedingungen treiben sie die Str√∂mungen in der Welt an. Es verlagerte sich in den Osten von Gr√∂nland. Gl√ľcklicherweise, denn es bewahrte uns wahrscheinlich vor einer neuen Eiszeit.

Obwohl die Temperaturen im Ammersee in Deutschland in 180 Jahren um 1,7 ¬įC oder im Becken des Annecy-Sees in Frankreich um 2,5 ¬įC sanken, k√ľhlte sich Europa im Durchschnitt nur um ein Grad Celsius ab. Obwohl sich das Wasser deutlich abgek√ľhlt hatte, war die Abk√ľhlung nicht homogen.

Dennoch k√ľhlte sich der gesamte Nordatlantik deutlich ab. In Gr√∂nland betrug der Temperaturr√ľckgang zun√§chst 6 ¬įC, bevor er sich f√ľr zwei Jahrhunderte bei etwa -3,3 ¬įC stabilisierte. Die √∂sterreichischen und norwegischen Gletscher stie√üen vor. Die kalten Luftmassen bewirkten, dass sich die Monsune etwa 1.000 km nach S√ľden verschoben. Es kam zu einer pl√∂tzlichen Zunahme der Niederschl√§ge in Amerika, aber vor allem in Europa: bis zu 130 mm zus√§tzlicher Jahresniederschlag in Annecy, Frankreich. Auf der anderen Seite waren Mesopotamien, das subtropische Afrika und vor allem die Sahara von einer intensiven D√ľrre betroffen, die 250 Jahre andauerte. Der Monsun nahm in China erheblich ab, erwies sich aber in Brasilien und Indonesien als sehr niederschlagsreich.

Dieser klimatische Unfall von gro√üer Heftigkeit hatte sehr viel geringere Folgen als die der j√ľngsten Dryas. Warum? Weil die thermohaline Zirkulation nicht zum Stillstand kam.

Eisbohrkerne liefern uns zwei Anhaltspunkte: die Temperatur und die Zusammensetzung der Luft, die in Eisblasen eingeschlossen war. In den letzten 400.000 Jahren können wir folgendes sehen. Die Temperaturen steigen, die Ozeane erwärmen sich und 800 Jahre später erhält man eine hohe atmosphärische CO2-Emission.

Ein Salzwassertropfen, der s√ľdlich von Gr√∂nland auf den Grund des Ozeans sinkt, braucht etwa 800 Jahre, um den gesamten Kreislauf der thermohalinen Zirkulation zu durchlaufen, bevor er seinen Ausgangspunkt wiederfindet. Wenn es k√§lter ist, taucht er etwas tiefer und findet sich 800 Jahre sp√§ter an seinem Ausgangspunkt wieder.

Allerdings hatten wir 800 Jahre vor dem 8.2 KY eine sehr hei√üe Periode, die etwa 3 ¬įC w√§rmer als heute war. Die hei√üe Masse, die sich in den Meeresstr√∂mungen ansammelte, wirkte also der spektakul√§ren Abk√ľhlung der Labradorsee entgegen und verhinderte so, dass wir wieder in die globale Abk√ľhlung hineingerieten.

Die Abk√ľhlung der Luftmassen wirkte sich jedoch auf die gesamte n√∂rdliche Hemisph√§re aus. In geringerem Ma√üe auch auf die eingeschlossenen Meere, wie z. B. das Mittelmeer. Der Wasserstand stieg um mehr als einen Meter, vor allem auf der t√ľrkischen Seite. Die Wintertemperaturen an seinen Ufern sanken um fast 4 ¬įC und sehr regenreiche Sommer √ľberfluteten die Felder. Pollenaufzeichnungen in S√ľdeuropa, ein weiterer Hinweis aus der Natur, offenbaren katastrophale √úberschwemmungen, die sich fast zwei Jahrhunderte lang h√§ufig wiederholten. Diese heftigen Regenf√§lle begr√ľndeten die Hungersnot der neolithischen Menschen. Die gro√üen D√∂rfer an den Mittelmeerk√ľsten leerten sich, die Bewohner verlie√üen ihre Felder und fl√ľchteten ins Landesinnere, Hoffnung und Wissen im Gep√§ck. In Frankreich wurde s√ľdlich von Mont√©limar keine Spur einer mesolithischen St√§tte gefunden, als ob die ganze Riviera durch kalte Winter und Sommerregen verw√ľstet worden w√§re. Die beiden Inseln Korsika und Sardinien wurden entv√∂lkert, ebenso Andalusien und die spanische Ostk√ľste. An der Mittelmeerk√ľste waren die Bauern abgewandert und hatten alles zur√ľckgelassen, in der Hoffnung, dass vielleicht weiter weg Pflanzen wachsen w√ľrden. Einige dieser Klimafl√ľchtlinge, die aus dem Libanon und Syrien kamen, wollten entlang der Donau, in Richtung Mitteleuropa, neue Zivilisationen schaffen.

Wie kommt es, dass der Einfluss des steigenden Wassers fast zwei Jahrhunderte anhielt, w√§hrend der Fluss der Gletscherseen nur 60 Jahre dauerte? Es liegt daran, dass die Gezeiten die Auswirkungen des 8.2 KY-Ereignisses verschlimmert haben. Die Milankovińá -Zyklen verst√§rkten dann das Ph√§nomen. Durch ein ungl√ľckliches Timing trat der abrupte Abfluss von gefrorenem Wasser aus Kanadas Gletscherseen sechzig Jahre vor dem H√∂hepunkt des 1.800-Jahre-Zyklus, wenn aufgrund der Position unseres Planeten im Sonnensystem die st√§rksten Gezeiten auftreten, auf. Und zwar so sehr, dass zweihundert Jahre lang enorme Winterfluten mit 3 bis 9 Meter h√∂her als die Norm die K√ľsten bedingt durch die Exzentrizit√§t der Erde, die schiefe Rotation und dem Zyklus der Pr√§zession √ľberschwemmten. Zwei Jahrhunderte lang drang bei jeder gro√üen Sonnenwendenflut Salzwasser in die K√ľstengebiete ein und √ľberschwemmte sie mit katastrophalen Fluten. In denselben Jahren kam es in den Sommern im n√∂rdlichen Mittelmeerraum zu sintflutartigen Regenf√§llen. Jeder dieser Faktoren trug zur Abk√ľhlung der lokalen Temperaturen bei. Vor allem aber machte das Meereswasser zweimal im Jahr jahrhundertelange Bem√ľhungen zunichte, in diesen Regionen Ackerbau und Viehzucht zu etablieren. Einfriedungen und Silos wurden herausgerissen, Kan√§le und Wege ausradiert, D√∂rfer weggesp√ľlt und das Land durch das Salz unfruchtbar gemacht.

Wir haben eine klare Vorstellung von den Auswirkungen des 8.2 KY-Ereignisses auf die Zucht. Einerseits m√ľssen wir bedenken, dass die neolithischen Z√ľchter wahrscheinlich versuchten, ihre Herden auf ihren Wanderungen von den Mittelmeerk√ľsten weg mitzunehmen, andererseits schlachteten sie, da die Landwirtschaft wenig hergab, sicherlich mehr Tiere zur Ern√§hrung. Am Ende betrug der R√ľckgang des Methans in der Atmosph√§re jedoch 15 %. Das Abschlachten der Herden war also enorm!

Die Untersuchung von Sauerstoffisotopen in Stalagmiten in Frankreich (Massif des Bauges), China und Brasilien zeigt, dass die Abk√ľhlung und Verschiebung des Monsunregimes vor 8.200 bis 8.086 Jahren andauerten. Und das unabh√§ngig von der Region der Erde, mit einer extrem heftigen Periode vor 8.140 Jahren.

Danach stiegen die Temperaturen sehr schnell an. Am Ende der Erw√§rmung war es wieder deutlich w√§rmer als heute und sogar w√§rmer als vor dem 8.2 KY-Ereignis. Das zeigt die Untersuchung des Mont-Min√©-Gletschers in den Schweizer Alpen: Er war kleiner als heute, erlebte dann einen pl√∂tzlichen Vorsto√ü vor 8.200 bis 8.175 Jahre, gefolgt von einem langsameren Vorsto√ü und einem schnellen R√ľckzug vor 8.100 Jahren bis heute.

Eine entscheidende Klimaverschiebung

Da die thermohaline Zirkulation nicht ganz aufh√∂rte, erw√§rmte sich der Golfstrom in der karibischen Sonne weiter und konnte der √ľberm√§√üigen K√§lte des Nordatlantiks entgegenwirken. Dank dieses Prozesses war das 8.2 KY-Ereignis ein kurzes und heftiges Ereignis, aber kein globaler Kataklysmus, sondern allenfalls ein beeindruckender klimatischer Unfall. Es hat die K√ľsten des Nordatlantiks und das Mittelmeer stark in Mitleidenschaft gezogen, hatte aber keine dauerhaft verheerenden Folgen f√ľr unsere Spezies. Tats√§chlich taten die Bewohner der √∂stlichen Mittelmeerk√ľste das, was ihre Sapiens- oder Neandertaler-Vorg√§nger immer getan hatten, wenn das Klima ihre Umgebung unbewohnbar machte: Sie wanderten mit Frauen und Kindern aus. Diese Klimafl√ľchtlinge waren so zahlreich, dass sie als ein Volk betrachtet wurden: die ‚ÄěAsianiques‚Äú. Genetische Untersuchungen zeigen, dass sie von den Natufiern und Mureybetiern abstammten. Sie wussten also, wie man kultiviert. Vor 8.200 Jahren bauten die Mureybeter Bew√§sserungskan√§le und legten S√ľmpfe trocken, bauten orthogonale H√§user mit kalkgebundenen Ecksteinen. Sie verbesserten auch die Pfeile der Natufianer, indem sie ihnen eine abgerundete Kerbe f√ľr die Sehne und Spitzen mit flachen und kurzen Stielen verpassten. Sie bauten st√§rkehaltigen Weizen, Gerste, Linsen und Bohnen an. Sie lebten gut auf ihrem Land in Syrien und w√§ren nie ausgewandert, wenn sie nicht durch die √úberschwemmungen dazu gezwungen worden w√§ren.

Sie brachen weit weg vom Mittelmeer nach Osten in Richtung Irak auf, passierten den Norden des damaligen Persischen Golfs und wurden durch das un√ľberwindliche Hindernis des Zagros-Gebirges aufgehalten. Diese Gebiete waren von einem Hirtenvolk iranischen Ursprungs besetzt, das versuchte, Steine im Feuer zu schmelzen. Sie zogen am Fu√ü dieses Gebirges entlang, um das zu durchqueren, was Mesopotamien werden sollte. Sie zogen zwischen dem Schwarzen Meer und dem Kaspischen Meer umher, bis sie ein freies Land fanden, das ihnen zusagte. Sie lie√üen sich rund um die Donau nieder. W√§hrend ihrer Reise verbreiteten die Asiaten sicherlich ihre Kultur, da sie die besten Ackerbauern ihrer Zeit waren und ihre Herden f√ľhrten. Nachdem sie die Donauebenen besiedelt hatten, bauten die Asianiques neben ihren Ziegen und Schafen auch Nacktweizen an und z√ľchteten ein paar Ochsen. In allen L√§ndern, die auf dieser Reise durchquert wurden, stellte ein gro√üer Teil der Bev√∂lkerung von J√§gern und Sammlern auf Ackerbau und Viehzucht um und entwickelte handwerkliche F√§higkeiten.

Weitere Informationen:

Der Name ‚ÄěMureybetianer‚Äú stammt von den arch√§ologischen Forschungen unterhalb des Dorfes Mureybet am Euphrat, das ausgegraben wurde, bevor das Gebiet vom Wasser des Assad-Staudamms √ľberflutet wurde. Die Genome der Mureybetianer sowie die Tatsache, dass sie von der gleichen Unterart von Parasiten (Taenia madoquae) befallen waren, beweist, dass sie Nachfahren der Natufianer sind. Was diese betrifft, sind Arch√§ologen √ľberzeugt, dass sie von Frauen regiert wurden.

Die Mureybetianer hatten besonders von 9.500 v. Chr. bis 6.200 v. Chr. in Syrien ihre Glanzzeit. Sie bauten runde Geb√§ude, teilweise eingegraben, mit sehr dicken D√§chern aus Grasstroh, die besonders gut gegen Sonneneinstrahlung isolierten. Die Innentemperaturen mussten gem√§√üigt sein, da es sich in erster Linie um Lagerr√§ume handelte, auf deren B√§nken die Bewohner schlafen konnten. In den sandigen B√∂den der Oasen gab man den Steinbau zugunsten einer Holzkonstruktion (und Lehmziegeln) auf, die immer noch diese dicken Strohschichten (50 cm und mehr) trug. Je mehr sich das Handwerk entwickelte, desto mehr wurden die Innenr√§ume bewohnt und die W√§nde get√ľncht (um krabbelnde Insekten zu vermeiden). Aus architektonischer Sicht ist diese Periode (der sogenannte ‚ÄěPPNA-Horizont‚Äú) durch den Bau der ersten kollektiven Projekte gekennzeichnet. Mit der Entwicklung der Mureybetianer (bis zum Ende des ‚ÄěPPNB-Horizonts‚Äú) werden die D√∂rfer immer gr√∂√üer und die kollektiven Behausungen vervielfachten sich: es gibt gemeinsame K√ľchen, zentrale Silos, zentrale √Ėfen, die f√ľr das ganze Dorf bestimmt sind und sogar gemeinsame Versammlungsr√§ume (sozialer oder religi√∂ser Zweck?). Die Bauten begannen rechtwinklig zu sein (aus Steinen, die mit Kalk verbunden wurden), dann wurden sie rechteckig mit Querw√§nden. Die Toten wurden unter den H√§usern begraben. Auch ihre Gebrauchsgegenst√§nde haben sich weiterentwickelt. Man fand zunehmend Steinwerkzeuge auf Hirschgeweihen, ausgekl√ľgelte Besen, Haken, zahlreiche Gef√§√üe, M√∂rser aus Vulkangestein, Knochenmesser und Schnabelhaken mit Obsidianschneiden. Sie importierten polierte Sch√§fte aus dem Taurusgebirge sowie Kupfernadeln, die wahrscheinlich aus dem Iran kamen ... Als erste J√§ger von Antilopen und Auerochsen wurden ihre steinernen Pfeilspitzen (El-Khiam-Typ), die bereits zur Befestigung geschnitzt waren, schlanker und leiser (Helouan-Typ). Es wird angenommen, dass die Mureybetianer die erste echte Landwirtschaft erfanden und kultivierte Felder anlegten. Ihre Frauen trugen bunte Steinhalsketten. An den Ufern des Van-Sees durchquerte die Wanderung der Natufianer und Mureybetianer (Asianiques) das Gebiet der Mlecchas, dem Volk der Obsidianer. Die Mlecchas werden die Lebensweise der Asianique kopieren. Nach ihrer Wanderung werden sie Ziegen und Schafe z√ľchten und beginnen, Kalk und Lehm f√ľr ihre Bauten zu verwenden.

Die ersten langstieligen Getreidesorten, die in China gefunden wurden, stammen aus dem Jahr 7.900 v. Chr. Ihre Kulturen h√§tten sich kurz nach der Verlagerung der Monsune aufgrund der Abk√ľhlung durch das ‚Äě8.2 KY-Ereignis‚Äú um den Jangtse herum ausgebreitet. Die Chinesen z√ľchteten bereits Wildschweine. Um 7.000 v. Chr. hatten die Chinesen an den Ufern des Jangtse bereits Reis domestiziert (2.000 Jahre vor Japan und 4.000 Jahre vor Indien).

Thermohaline Zirkulation

Die thermohaline Zirkulation (von thermo = Temperatur und halin = Salz) wird durch die Abfolge der großen ozeanischen Strömungen des Globus gebildet. Ihre permanente Zirkulation wird durch Unterschiede in der Dichte des Meerwassers erzeugt. Meerwasser ist bei gleichem Volumen schwerer, wenn es kalt und mit Salz versetzt ist.

Am kältesten ist das Wasser in der Nähe der Pole und in der Nähe von Grönland, wo das kalte Wasser, das durch den Golfstrom (der durch die Karibik verdunstet war) entsteht, salziger ist. In dieser Region beginnt also die thermohaline Zirkulation. Das Wasser taucht in sie ein und durchquert den Ozean vertikal, bis es am Meeresboden das Dichtegleichgewicht mit dem umgebenden Wasser erreicht.

Die thermohaline Zirkulation beginnt (und endet) vor der K√ľste von Gr√∂nland: Zuerst eine kalte Tiefenstr√∂mung: eine vertikale Nord-S√ľd-Linie, dann eine horizontale West-Ost-Linie entlang der Antarktis, eine breite Schleife im Indischen Ozean (wo sie an die Oberfl√§che steigt und sich in der tropischen Sonne aufheizt) und eine riesige Schleife im Pazifik. Sie wird zu einer warmen Oberfl√§chenstr√∂mung, die ein gro√ües Z im Atlantik vom Kap der Guten Hoffnung √ľber die Karibik bis in die Bretagne zieht, dann eine kurze Gerade nach Norden macht, wo sie sich deutlich abk√ľhlt und den S√ľden von Gr√∂nland erreicht... Dann beginnt alles wieder von vorne.

Wenn die Klimatemperaturen niedrig sind (Durchschnittstemperaturen √ľber Land nahe 16 ¬įC), liegen die Temperaturen dieses polaren Salzwassers bei etwa -2 ¬įC. Es st√ľrzt √∂stlich von Gr√∂nland bis auf -3.800 m hinunter, in den Hang des Landes, das an die D√§nemarkstra√üe oder die Norwegische See grenzt, wie ein gigantischer, dichter Wasserkatarakt, durch weniger salzhaltiges, oberfl√§chenwarmes Wasser (und wird daher st√§rker ausgedehnt). Er wird von der Neigung des submarinen Kontinentalhangs nach Osten, also in Richtung Island und S√ľdgr√∂nland projiziert. Die Kraft dieses Salzwasserflusses ist so gro√ü, dass es eine m√§chtige Str√∂mung bildet: den Labradorstrom.

Bei hohen Temperaturen (Durchschnittstemperaturen √ľber Land nahe 20 ¬įC) ist dieses polare Salzwasser kaum noch zu sp√ľren. Es taucht weiter n√∂rdlich der Norwegischen See in das Gr√∂nlandbecken ein, wo es zus√§tzliches eisiges Wasser aus der Arktis erh√§lt. Es taucht nord√∂stlich von Gr√∂nland in eine Tiefe von -2.500 m ein und wird durch die Form des Landabhangs, der an die Inseln von Svalbard grenzt, entlang der Ostk√ľste von Gr√∂nland unter den Gr√∂nlandstrom getrieben. Es kommt von weiter weg, bildet aber auch den Labradorstrom.

Die Str√∂mung folgt dem Kontinentalabhang der K√ľsten Nordamerikas (tiefer Labradorstrom) auf den Tiefseeebenen von Hatteras und Nares (sie verl√§uft weit unterhalb des Golfstroms), setzt sich dann auf der Tiefseeebene von Ceara fort, bevor sie den brasilianischen Abhang in Richtung des Kaps von Sao Roque erreicht und ihren Weg nach S√ľden durch die Tiefseeebene von Pernambuco fortsetzt, bis sie sich im Weddellmeer mit der antarktischen zirkumpolaren Zirkulation verbindet. Diese sehr kalten und salzigen Gew√§sser (mehr als 3,5 g/l) ziehen dann, immer noch auf den gro√üen abyssalen Ebenen, in Richtung Osten und S√ľden von Neuseeland. Nach dem Kap der Guten Hoffnung teilen sie sich in zwei Zweige: die erste geht √∂stlich von Madagaskar in den Indischen Ozean, w√§hrend sie zur Oberfl√§che aufsteigt, und w√§hrend sie sich erw√§rmt, dreht sie sich im Uhrzeigersinn und l√§uft entlang des Golfs von Bengalen, bevor sie zum Kap der Guten Hoffnung zur√ľckkehrt. Allerdings ist sie dann zu einer warmen Oberfl√§chenstr√∂mung geworden. Der zweite Zweig geht durch den S√ľden Neuseelands und durchquert den westlichen Pazifik unter Umgehung der Hawaii-Inseln, w√§hrend er zur Oberfl√§che aufsteigt und sich erw√§rmt. Er ist ebenfalls zu einer warmen Oberfl√§chenstr√∂mung geworden, die n√∂rdlich von Australien vorbeizieht und sich √∂stlich des Kaps der Guten Hoffnung im Indischen Ozean mit dem ersten Zweig verbindet. Die beiden warmen Oberfl√§chenstr√∂me √ľberqueren den ersten Zweig der kalten Tiefenstr√∂mung und ziehen am Kap der Guten Hoffnung vorbei, von wo aus sie den S√ľdatlantik diagonal √ľberqueren und in die Karibik m√ľnden. Dort erw√§rmen sie sich, √ľberqueren den S√ľden des Nordatlantiks nochmals diagonal und finden sich im S√ľden Westeuropas (Bretagne, Gro√übritannien) ein, bevor sie die Norwegische See erreichen und ihre Reise fortsetzen. Dies ist die thermohaline Zirkulation. Ein kontinuierlicher ozeanischer Fluss, der aufgrund seiner hohen Salzdichte das Vierfache des kumulierten Durchflusses aller Fl√ľsse der Welt durch alle Ozeane des Globus transportieren kann. Mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von etwa einem Millimeter pro Sekunde k√ľhlt sein Strom von 68 Billionen Tonnen Wasser pro Stunde die tropischen Ozeane und den Osten der Vereinigten Staaten. Er erw√§rmt Westeuropa und das westliche S√ľdamerika. Diese Zirkulation ist wesentlich f√ľr unser Klima.

Ein riesiger Erdrutsch ereignete sich vor etwa 8.200 Jahren bei Storegga in der Norwegischen See (die Kohlenstoff-14-Datierung ist f√ľr diesen Zeitpunkt nicht genau). Einige Wissenschaftler glauben, dass der unterseeische Erdrutsch letztlich durch die Schockwelle des Asteroideneinschlags auf dem Hudson Dome ausgel√∂st wurde, der das 8.2 KY-Ereignis ausl√∂ste. Zwei Kontinentalplatten sind nacheinander kollabiert und haben sich in Richtung Abgrund ergossen, von S√ľdosten nach Nordwesten. An der Oberfl√§che l√∂ste die erstere den st√§rksten Tsunami aus, den wir je erlebt haben. Auf dem Meeresboden kollabierten 7 Billionen Tonnen (3,500 km¬≥) Land, Ger√∂ll und Sand und schufen einen 300 km breiten und 800 km langen Unterwasser-Tr√ľmmerkorridor. Die Tsunami-Welle wurde mit einer H√∂he von 21 Metern und einer Brandungsgeschwindigkeit von 126 km/h berechnet. In Schottland hat sie Spuren bis zu 80 km landeinw√§rts hinterlassen. Alle K√ľsten der Nordsee wurden verw√ľstet und die Bev√∂lkerung auf den F√§r√∂er-Inseln und Doggerland (die riesige Ebene, die damals das Vereinigte K√∂nigreich, Frankreich, Holland und D√§nemark verband) w√§re ausgel√∂scht worden. Die anschlie√üende Sandablagerung ist an der Ostk√ľste Gr√∂nlands 72 cm hoch. Die Unterwasserstr√∂mung des Schlamms str√∂mte also in den S√ľden des Gebietes, wo das Wasser eintauchte und die thermohaline Zirkulation begann.

Daher wurde Westgr√∂nland w√§hrend des 8.2 KY-Ereignisses durch den gigantischen Strom von ungesalzenem S√ľ√üwasser aus dem Fluss der Gletscherseen laminiert, w√§hrend der Meeresboden von S√ľdgr√∂nland eine riesige Lawine von norwegischem Sand und Gestein erhielt. Dennoch hat die thermohaline Zirkulation nicht aufgeh√∂rt. Wie war das m√∂glich? Die thermohaline Zirkulation trug ihr salziges und kaltes Wasser in den Osten Gr√∂nlands, 1.000 Meter oberhalb des Storegga-Erdrutsches, da sie in diesem Bereich noch eine Oberfl√§chenstr√∂mung ist, die sich mit polarer Luft abk√ľhlt. Als das salzige Wasser der thermohalinen Zirkulation dann weitgehend n√∂rdlich von Storegga abtauchte, verband es sich mit den K√ľsten Nordamerikas und bildete den Labradorstrom, der b√ľndig mit dem Meeresboden abschlie√üt und dabei weit unter dem S√ľ√üwasser von schmelzenden Gletschern vorbeiflie√üt. Mit anderen Worten: Die thermohaline Zirkulation hat deshalb nicht aufgeh√∂rt, weil das viel salzigere und k√§ltere Wasser (-2 ¬įC), das viel dichter ist als das des S√ľ√üwassers (bei der Temperatur eines Eisw√ľrfels), sein Dichtegleichgewicht viel tiefer im Ozean (vermutlich etwa 2.000 Meter tiefer) gefunden hat.

Die Insel Zypern wurde von Viehz√ľchtern bev√∂lkert, die die ‚ÄěNo-Terracota-Zivilisation des Neolithikums‚Äú bildeten, weil sie nie Keramik entdeckten. Sie verschwanden vollst√§ndig w√§hrend der √úberschwemmungen des 8.2 KY-Ereignisses. Mehr als 1.500 Jahre vergingen, bevor die Insel wieder besiedelt wurde. Von dieser Zivilisation ist bekannt, dass sie offenbar als erste Katzen domestizierten (6.500 v. Chr.) und als eine der ersten tiefe Brunnen gruben (als Reaktion auf die gro√üe D√ľrre der sp√§ten J√ľngeren Dryas um 10.500 v. Chr.).


Die Sintflut

Am 12. Juli 1562 beschloss Diego de Landa, katholischer Bischof von Yucat√°n, alle B√ľcher der Maya zu verbrennen, weil sie falsche religi√∂se √úberzeugungen vertraten. Dieses gigantische Autodaf√© zerst√∂rte tausende von Jahren astronomischer Erhebungen. Ein paar Dutzend besonders farbenfroher Seiten blieben erhalten und wurden auf den Alten Kontinent geschickt. Sie bilden vier Codices, die in Paris, Dresden, Madrid und im Vatikan aufbewahrt werden.

In Dresden begann ein gewisser Ernst F√∂rstemann, Bibliothekar und Sprachwissenschaftler, den Codex in seinem Besitz zu studieren. Im Jahr 1894 war es ihm gelungen, das Kalendersystem der Maya zu entziffern. Moderne Astronomen sind immer noch √ľber die Tatsache verbl√ľfft, dass die kumulierten Fehler dieses ‚ÄěMaya-Kalenders‚Äú √ľber 5.000 Jahre hinweg kaum ein paar Sekunden betrugen. Die ‚Äělange Rechnung‚Äú, so erkannte man, begann am 8. August 3.114 v. Chr.

Im Mai 1945 nahm Juri Knorosow, ein russischer Milit√§rheld, an der ‚ÄěSchlacht um die Befreiung Berlins‚Äú teil. In den rauchenden Tr√ľmmern der Nationalbibliothek hob er einen kleinen schwarz-wei√üen Bildband auf, der wie durch ein Wunder den Flammen entgangen war. Es war eine Reproduktion der drei wichtigsten Maya-Codices. Das Buch besagte, dass die Maya-Schrift wahrscheinlich nie entschl√ľsselt werden w√ľrde. Als der Krieg zu Ende war, fand Juri Gefallen daran und widmete sein Leben der Entschl√ľsselung des Codes. Erst um das Jahr 2000 gelang es dem Amerikaner David Stuart, dieses komplexe Schriftsystem zu knacken. Er verstand, dass die Glyphen Silben oder Ideen darstellen und phonetisch wie ein Rebus gelesen werden k√∂nnen. Dies erm√∂glichte, abh√§ngig von den F√§higkeiten und Gewohnheiten des jeweiligen Schreibers, die Verwendung verschiedener Homonyme, was es noch komplexer machte, diese Schrift zu lesen, die ohne Vorwarnung Phonogramme, Piktogramme und Ideogramme vermischte.

So erkannten wir, dass der 8. August 3.114 v. Chr. das Datum der ‚ÄěGro√üen Flut‚Äú war, was die Aufmerksamkeit von... kaum jemandem erregte. Die Pr√§zision des Maya-Kalenders ist so gro√ü, dass es f√ľr uns keinen Grund gibt, genau dieses Datum, das von den Hohepriestern angegeben wurde, anzuzweifeln. Andere Quellen unterst√ľtzen dies.

In der Bibel hei√üt es in Genesis (11:7), dass die Flut im 600. Lebensjahr Noahs stattfand, was uns angesichts der unglaublichen Langlebigkeit, die die Bibel einigen ihrer Helden zugesteht, keine g√ľltige Information gibt. Wenn aber der hebr√§ische Kalender nicht auf einem Jahr von 364 Tagen, sondern auf einem vollen Jahr von 365,25 Tagen basiert, w√ľrde der Beginn dieses Kalenders dem von den Maya angegebenem Datum entsprechen. Was Besorus betrifft, einem chald√§ischen Historiker, so hatte er die Flut auf den f√ľnfzehnten Tag des Monats Daisios, den 15. Juni 3.116 v. Chr., datiert. Sein Kalender war nicht so pr√§zise wie der der Maya.

Um 1920 grub eine amerikanische Mission einen Brunnen im Euphrattal. Sie fanden Fragmente von T√∂pferwaren und ein St√ľck Eisen, das auf etwa 3.100 v. Chr. datiert wurde. Die Arch√§ologen gruben sich weiter durch drei Meter Schlamm. Er enthielt die √úberreste von Kleintieren vom Meeresboden. Zur √úberraschung wurde knapp darunter deutlich aufw√§ndigere Keramik einer anderen Herkunft ohne Eisen entdeckt. Die letzte Schicht war kaum √§lter als die erste.

Nach einer Katastrophe wie der Sintflut w√§re alles zerst√∂rt worden; man h√§tte alles neu aufbauen m√ľssen. Alle Zivilisationen nach der Flut w√§ren also mehr oder weniger gleichzeitig entstanden. Das k√∂nnen wir auf genau 10 Jahre belegen: Die erste √§gyptische Dynastie wird um 3.110 v. Chr. von einem K√∂nig gegr√ľndet, der von den Hochebenen des s√ľdlichen Nils kam. Oannes gr√ľndete die sumerische Zivilisation um 3.112 v. Chr., indem er in einem √ľberdachten Boot aus Eritrea ankam. In China l√∂st die Kultur von Xiaoheyan, die viel rudiment√§rer ist, die von Hongshan ab. Die antike Bronzezeit beginnt und Uriren beginnen mit dem Bau des ersten Himmelsobservatoriums in New Grange. Das Dorf Sakara Brae wird gebaut. Malta beginnt mit seinen megalithischen Bauten. Die minoische Zivilisation entsteht und Taiwan beginnt mit der Kolonisierung der Nachbarinseln.

Mythos oder Wirklichkeit?

Nach der Lekt√ľre eines Maya-Textes, der auf dem Giebel des Portals von Palenque eingemei√üelt ist, haben wir gelernt, dass eine der Folgen der Flut eine neue kosmologische Ausrichtung gewesen sein k√∂nnte.

Im Dresdner Codex wird die Sintflut vor allem durch einen gewaltigen Wasserschwall mit Fischen und Muscheln dargestellt. Die Darstellung ist √§hnlich wie im Vatikanischen Codex, aber der Schreiber f√ľgte eine Ur-Explosion und auf einer anderen Seite eine gigantische Welle hinzu. Die Details, die in den Codices von Dresden und Madrid erz√§hlt werden, sind viel zu zahlreich, um eine einfache, selbst eine katastrophale Flut zu beschreiben: eine anhaltende Sonnenfinsternis, Blitze, ausbrechende Vulkane, blendender Nebel, ein Tsunami, Todesf√§lle aller Art und dann B√§ume, die an den vier Ecken einer neuen Welt wachsen, in der sich der Kosmos ver√§ndert hat. Die Flut w√§re also nur ein Bestandteil eines komplexeren Kataklysmus.

Um zu verstehen, was passiert ist, werfen wir einen Blick in die Gegenwart. Angesichts des Ausmaßes dieses Phänomens können wir nur vermuten, dass es geologische Spuren hinterlassen hat, die noch sichtbar sind.

Um wissenschaftliche Fakten zu sammeln, die mehr als 5.000 Jahre alt sind, werden astronomische Berechnungen durchgef√ľhrt und Proben durch Bohrungen im Eis oder in Foraminiferenschichten - eine der h√§ufigsten versteinerten Muscheln auf der Erde - entnommen.

Die Berechnung zeigt, dass es am 8. August 3.114 v. Chr. keine Verfinsterung der Sonne durch den Mond gab. Allerdings zeigen an diesem Datum Eisbohrkerne, die in der Arktis und Antarktis entnommen wurden, einen gro√üen klimatischen Unfall, die sogenannte ‚ÄěPiora-Oszillation‚Äú. Im Golf von Mexiko zeigen Untersuchungen von Foraminiferen einen sehr kurzen und sehr heftigen Abfall des Salzgehalts. √úbrigens zeigen kleine Nagetiere, die in ihren H√∂hlen ertrunken sind, dass der Meeresspiegel abrupt um 120 Meter anstieg. Viele Indizien deuten darauf hin, dass diese Flut nicht nur ein Mythos ist, sondern tats√§chlich ein klimatischer Unfall gro√üen Ausma√ües war.

Unsere Quellen im Zeitverlauf sind nicht sehr genau. Ein Meter Eiskern oder Foraminiferenablagerung stellen mehrere Jahrhunderte dar. Wir m√ľssen daher die Analysen vervielfachen und die Quellen gegenpr√ľfen, um die G√ľltigkeit unserer Untersuchung sicherzustellen. Sehen wir uns die Tiefen Sibiriens an. Eine Untersuchung von Eisproben aus dem Jahr 3.114 v. Chr. zeigt eine merkw√ľrdige farbige Linie. Diese sehr kurze Episode, in der das Eis √ľberraschend farbig ist, offenbart unter dem Mikroskop Staub und winzige Pflanzenreste. In Gr√∂nland (GISP 2) wechselt der Deuterium√ľberschuss in den gefangenen Luftblasen wenige Jahre nach der Ver√§nderung des Staubgehalts von einem eiszeitlichen zu einem interglazialen Niveau in weniger als f√ľnf Jahren. Diese Tatsache zeugt von einer au√üergew√∂hnlich schnellen Reorganisation der tropischen (ENSO) und dann polaren (subborealen) atmosph√§rischen Zirkulation. Mit anderen Worten: Es gibt eine pl√∂tzliche √Ąnderung des Niederschlagsregimes, einen starken Anstieg der Luftfeuchtigkeit und einen heftigen Temperaturabfall. Die gleichen Blasen zeigen einen scharfen Ausschlag von Methan und Sulfaten um 3.100 v. Chr. (mehr oder weniger 100 Jahre).

Zu dieser Zeit f√ľhrte die brutale Abk√ľhlung der asiatischen Steppen zum Verschwinden der Rinderzucht zugunsten der Pferde. √úberall auf der Welt sank die Wachstumsgrenze der B√§ume um mehr als hundert Meter. Gletscher r√ľckten in den Alpen vor, verschwanden aber in Nordamerika, der Baumpollengehalt in der Luft sank stark, die Sahara trocknete viel schneller aus, der Pegel des Toten Meeres stieg um 120 Meter... All diese Elemente stimmen √ľberein: Um 3.114 v. Chr. fand ein gro√ües Klimaereignis statt.

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Zeugnisse

Es gibt viele Erz√§hlungen, die die Flut beschreiben. Sie stammen von Chinesen, Mayas, Muiscas, Assyrern, Thessaliern, Aleuten, Papuanern, Malaysiern, Litauern, √Ągyptern, Guatemalteken, Briten, Kalm√ľcken, Armeniern, Juden, Indern, Zapoteken und einigen hundert anderen. Die meisten dieser Erz√§hlungen beschreiben einen Dauerregen, der sechs Tage und sechs N√§chte gedauert haben soll. Mit unterschiedlichen Blickwinkeln in jeder Region der Welt. Bei einigen von ihnen gibt es Hinweise auf riesige Font√§nen, die aus dem Boden sprudelten. Andere beschreiben gigantische Wellen. Alle diese Geschichten haben eines gemeinsam: Sie beschreiben eine Katastrophe.

Bei diesen Zeugnissen handelt es sich haupts√§chlich um Erz√§hlungen, Legenden oder traditionelle Lieder, deren Niederschrift erst sp√§ter in Form von schriftlichen Texten erfolgte. Es ist sicher, dass die Kommunikationsmittel zu dieser Zeit begrenzt waren. Wenn die sibirischen Lakuten dasselbe Ereignis beschreiben wie die Assyrer oder die Tahitianer und die √Ągypter oder die Chinesen und die Papuas, liegt es wohl sicher daran, dass dieser Kataklysmus weltweit war.

Die Zeugnisse unterscheiden sich in ihrer Sichtweise. Manche assoziieren die Flut mit Vulkanen, andere mit K√§lte, andere mit einer ungew√∂hnlich langen Nacht, wieder andere mit brennenden Wellen... Diese Nuancen verleihen der Authentizit√§t der einzelnen Botschaften Glaubw√ľrdigkeit. Auf regionaler Ebene finden sich jedoch seltsam √§hnliche Erz√§hlungen, entweder weil manche Katastrophen auff√§lliger waren als andere oder weil die m√ľndliche Weitergabe von Generation zu Generation dazu f√ľhrte, dass die Erz√§hlung des jeweiligen Volkes verf√§lscht wurde oder sogar, weil die benachbarten Erz√§hlungen sie beeinflussten. Ein Beispiel: Da Abraham Mesopotamier war und durch Ur gezogen war, ist es m√∂glich, dass die biblischen Texte von einem √§lteren Bericht, dem sumerischen Bericht, inspiriert wurden, der uns die meisten Details liefert (Legende von Ziusudra).

Man mag sich √ľber die Anzahl der Zeugnisse wundern, aber wenn die Katastrophe so gewaltig war, ist es verst√§ndlich, dass jede Generation wollte, dass ihre Nachkommen sich an sie erinnern. Im Allgemeinen wurden Gottheiten in die Erz√§hlung integriert, was es vermeidet, genaue Details √ľber Ursachen zu geben, die niemand zu dieser Zeit verstehen konnte.

Einordnung von Zeugnissen

Als relevantestes Kriterium zur Einordnung von Zeugnissen erweist sich das geographische Kriterium. Es hat den Vorteil, ähnliche Geschichten zusammenzufassen. Ihr Vergleich ermöglicht es dann, bestimmte nachträgliche Veränderungen auszuschließen.

Beispielsweise haben Juden, Assyrer, Mesopotamier und Sumerer - also die Mittelmeerv√∂lker - √§hnliche Berichte √ľber die Flut √ľberliefert. Allerdings beschreibt die Tora 40 Tage Regen, w√§hrend die anderen sechs z√§hlen. Die Tora ist jedoch ein religi√∂ser Text, dessen h√§ufiger Gebrauch der Zahlensymbolik sich gegen√ľber der getreuen Transkription des Originaltextes durchgesetzt haben k√∂nnte.

Ein weiteres Beispiel: Nur die Texte aus dieser Region berichten von Wassers√§ulen, die aus Brunnen sprudeln. Weiter westlich berichten die Griechen von einem raschen Wasserverlust in Brunnen. Es k√∂nnte sich also um den Einsturz einer fossilen Wassertasche handeln, die von Osten her Wasser abgab, w√§hrend sie von Westen her Wasser ansaugte. Die Assyrer sprechen jedoch nicht von Font√§nen, die aus ihren Brunnen sprudeln. Im Buch des K√∂nigs von Babylon wird im Wesentlichen vermerkt, dass eine Welle, die sich zum Himmel erhob, alles √ľberflutet hatte. Genau wie die V√∂lker des Polarkreises, die von gigantischen Flutwellen berichten.

In Lateinamerika, von Argentinien bis Mexiko, beschw√∂ren die Texte Vulkanausbr√ľche, deren Folgen sichtbar sind: Mexikaner sprechen von harzigen, dann von schwarzen Regenf√§llen. Argentinier und Peruaner beschreiben Regentropfen, die die Haut verbrennen. Keiner von ihnen spricht von Lava oder eine Rauchfahne.

Von Griechenland bis Indien, √ľber Mesopotamien und Pakistan, w√§re die Rettung durch den Bau des gr√∂√üten Bootes, das in der Antike gebaut wurde, eingetreten. All diese Texte beschreiben dieselben vier Tatsachen: Nach einem vorauseilenden g√∂ttlichen Zeichen wurde unter Spott ein riesiges Schiff gebaut. Auf dem tobenden Meer begann es ununterbrochen zu regnen, das Wasser stieg und sp√ľlte schlie√ülich alles weg. Das Schiff lief auf einen Berg auf und ein Vogel wurde ausgesandt, um herauszufinden, ob die Flut vorbei war.

Die F√ľlle der Texte, die erkl√§ren, dass alle tot sind, ist beeindruckend. Sie stammen alle aus den unteren Regionen der Kontinente. In Australien w√§ren alle, bis auf ein paar Gl√ľckliche auf den Bergen im √§u√üersten S√ľden des Kontinents, umgekommen. In Timor hie√ü es, dass nur eine Familie √ľberlebte, als sich das Wasser zur√ľckzog. Alle Geschichten der Indianer in den amerikanischen Great Plains besagen, dass es keine √úberlebenden gab: ihre Vorfahren w√§ren auf dem R√ľcken von Riesenschildkr√∂ten aus dem Osten gekommen. Die Legenden aus Westafrika sind sich einig: Von Niger bis Namibia sei niemand den Wassern entkommen, sondern es seien Paare aus dem Osten gekommen, auf Booten, die die Welt neu gestaltet h√§tten.

Logischerweise kommt, abgesehen von ein paar Inseln, keine Erz√§hlung aus Ozeanien oder der Antarktis. Wasser singt nicht. Die Tatsache, dass es keine Belege aus S√ľdgr√∂nland oder dem Norden Amerikas gibt, scheint eher √ľberraschend. Andererseits haben viele sibirische V√∂lker die Erinnerung an die Flut in ihrer m√ľndlichen √úberlieferung bewahrt und gro√üe Wellen kochenden Wassers beschrieben.

Diese Zeugnisse sind allesamt spektakul√§r. Die Menschen dieser Zeit konnten nicht verstehen, was geschehen war. Ihre Welt bestand aus Fischen oder Jagen oder f√ľr einige aus Zucht und Ackerbau. Wann immer sie es nicht verstanden, wandten sie sich an ihre Priester, an ihre √Ąltesten. Wie sollte man eine solche Katastrophe erkl√§ren, ohne das Unbekannte zu beschw√∂ren, ohne sich auf die immense Macht der G√∂tter zu verlassen? Wie sollte man die Flut erkl√§ren? Das Ergebnis waren unwissenschaftliche Erkl√§rungen, aber einige von ihnen sind sch√∂n illustrierte Zusammenfassungen. So die Legende der V√∂lker Ozeaniens: ‚ÄěEines Tages kam es zu einem schrecklichen Streit zwischen dem Gott des Feuers und dem Gott des Wassers. Jeder wollte die Menschen bestrafen, weil sie ihn nicht genug verehrt hatten. Da warf der Erste Feuerb√§lle auf die Erde. Der Zweite war w√ľtend dar√ľber, dass er nicht richtig traf. Dann sch√ľttete er Wasser auf die Erde, um das Feuer zu l√∂schen. Und um die Menschen dann zu bestrafen, warf er wieder Wasser.‚Äú

Ausf√ľhrliche Zeugnisse

Eine traditionelle Erz√§hlung der australischen Aborigines berichtet, dass ‚Äědas Wasser so hoch stieg, dass nur die h√∂chsten Gipfel der h√∂chsten Berge zu sehen waren. Sie schienen wie Inseln im Meer."

In der norwegischen Sage von Orknerynga hei√üt es: ‚ÄěDas Sonnenlicht wurde schwarz, die Erde versank unter dem fahlen Wasser des Meeres. Die Sterne sind vom Himmel gefallen...‚Äú

Die Papuas erz√§hlen, dass ‚Äědie Erde sich unter ihren F√ľ√üen bewegte und die T√∂pfe umkippten und das Meer stieg weit, weit, weit weg an. Die Nacht war lang, sehr, sehr lang. Der Wind blies und drehte und blies und drehte wieder. Als sich das Meer wieder legte, gab es √ľberhaupt keine B√§ume mehr, au√üer ganz oben auf den Bergen.‚Äú

Das Volk der Washoe erkl√§rt, dass die Erdbeben so heftig waren, dass der Berg ihrer Insel zu beben begann und dann Feuer fing. Die Flammen stiegen so hoch, dass sie die Sterne zum Schmelzen brachten. Einige von ihnen fielen zur√ľck auf die Erde, andere fielen ins Meer und verursachten eine universelle Flut, die die Flammen l√∂schte, aber die Menschheit fast ausl√∂schte.

Es gibt viele Zeugnisse dieser Art, von denen nur kurze Texte √ľbriggeblieben sind, die das Wichtigste beschreiben. Sie stammen meist aus Regionen, in denen die Schrift erst relativ sp√§t aufkam. Als ob die Zeit die Details endg√ľltig ausradiert h√§tte. Andererseits haben Maya, Chinesen, √Ągypter, Inder oder Mesopotamier diese Texte m√ľndlicher √úberlieferungen schnell transkribiert. Ihre Texte sind viel detaillierter.

Seit dem spanischen Autodaf√© √ľberlieferten die Nachfahren der Maya-Priester das Heilige Buch m√ľndlich, das sie zuerst schriftlich niedergeschrieben hatten: das Popol Vuh. Eine Textpassage beschreibt die Flut: ‚ÄěEine gro√üe Flut ereignete sich und fiel auf die K√∂pfe der Gesch√∂pfe [...] und aus diesem Grund wurden sie get√∂tet. Schweres Harz fiel vom Himmel [...] und dadurch verdunkelte sich das Antlitz der Erde und schwarzer Regen begann zu fallen, Tag f√ľr Tag, Nacht f√ľr Nacht [...] Zu dieser Zeit bedeckten Wolken und Halbdunkelheit die ganze Erde. Es gab keine Sonne mehr [...] Der Himmel und die Erde existierten noch, aber die Oberfl√§chen der Sonne und des Mondes waren verschleiert [...] Die Sonne, der Mond und die Sterne erschienen nicht mehr und die Morgenr√∂te ging nicht mehr auf [...] Und all das geschah, als die Flut kam [...] Dann erloschen die Feuer der Menschen und sie begannen zu erfrieren [...] Sie konnten die K√§lte und das Eis nicht lange ertragen. Sie zitterten und ihre Z√§hne klapperten, sie waren benommen. Ihre Beine und H√§nde zitterten [...] Es gab gro√üen Hagel, schwarzen Regen Nebel und unbeschreibliche K√§lte [...]‚Äú Ebenso: ‚ÄěIn den alten Tagen wurde die Erde dunkel [...] Die Sonne war noch hell und klar. Als sie dann den Zenit erreichte, wurde sie dunkler. Erst 26 Jahre nach der gro√üen Flut kam das Sonnenlicht zur√ľck.‚Äú

Die verschiedenen Versionen, die aus Indien stammen, liefern zus√§tzliche Details √ľber den Verlauf der Flut: ‚ÄěDie St√ľrme waren mit dem ersten Licht gekommen, sie kamen aus dem S√ľden und dem Osten. Der Gott des Gewitters hatte das Licht des Tages in Finsternis verwandelt und die Erde pl√∂tzlich zertr√ľmmert. Der Sturm hatte eines Tages so stark gew√ľtet, dass ein Mann seinen Nachbarn nicht mehr sehen konnte. Die Flut war so schrecklich gewesen, dass sogar die G√∂tter Angst hatten. Dann w√ľteten Sturm und Flut zusammen wie Heere in der Schlacht sechs Tage lang. Als am siebten Tag die Morgend√§mmerung anbrach, hatte der Sturm aufgeh√∂rt. Das Meer hatte sich beruhigt. Die Flut war abgeklungen. Die ganze Menschheit war in Lehm verwandelt worden. Es war die W√ľste des Wassers.‚Äú Nat√ľrlich hatte Vishnu zuvor die Gestalt eines Fisches angenommen, was ihm erlaubte, die Menschen zu retten.

In vielen Geschichten scheint sich die Erz√§hlung, obwohl sie sich auf die Flut bezieht, mit der Beschreibung eines vom Erz√§hler beobachteten Epiph√§nomens zu begn√ľgen. Der folgende Text ist keine Ausnahme, offenbart aber bei n√§herer Betrachtung einen entscheidenden Schl√ľssel zum R√§tsel. Er stammt aus den Bergen S√ľdindiens: ‚ÄěAm Himmel erschien ein Wesen von der Gr√∂√üe eines kleinen wei√üen Warzenschweins. Innerhalb einer Stunde wurde dieses Wesen so gro√ü wie ein gro√üer Elefant. Es befand sich noch in der Luft. Pl√∂tzlich gab es einen gewaltigen Donnerschlag, der bis zum Ende des Universums ert√∂nte. Das Wesen sch√ľttelte seine gro√üen Ohren und sein Haar. Es stellte seine beiden Sto√üz√§hne auf, die so wei√ü waren, dass sie leuchteten. Dann rollte es sich zur Seite und wir sahen seinen gro√üen Schwanz, als ob er √ľber ihm schwebte. Er kam vom Himmel herunter und st√ľrzte kopf√ľber ins Wasser. Das ganze Meer bebte unter dem Schlag und riesige Wellen erhoben sich.‚Äú

Dieses unidentifizierte Flugobjekt, das er f√§lschlicherweise f√ľr ein himmlisches Warzenschwein hielt, flog direkt auf den Beobachter zu. Man kann davon ausgehen, dass er seinen Augen nicht trauen konnte. Er lebte am Ende der Pr√§historie, an die Existenz des Mars oder kleiner gr√ľner M√§nnchen mag er nicht gedacht haben. Dann beschrieb er, was er sah, so gut er es konnte. Sein Bezugsrahmen war der seines t√§glichen Lebens: die Jagd. Als der Komet auf ihn zukam, konnte er seinen Schweif nicht sehen. Das Wenige, das √ľbrig war, wirkte wie ein Haar. Der Meteorit flog also in seine Richtung. Dann explodierte er. Zwei gl√ľhende St√ľcke hatten sich gel√∂st und wurden nach vorne geschleudert. Sie formten sich wie zwei gl√§nzende Sto√üz√§hne. Und dann war der Himmelsk√∂rper gefallen. Dann sah er den Schweif des Meteoriten. Er war ins Meer eingetaucht. Die Ersch√ľtterung muss stark gewesen sein, denn das Meer bebte. Die Ersch√ľtterung l√∂ste einen Tsunami aus.

Chinesische Astronomen hatten den gleichen Meteoriten etwas fr√ľher in Richtung untergehender Sonne gesehen. Die australischen Aborigines beschreiben seinen Abstieg weit im Westen ihres Kontinents. Die Griechen folgten seinem Verlauf nach Osten. Athabasca aus Alaska beschrieb ebenfalls ein Licht, gefolgt von einem gro√üen Schweif, der in die Nacht Richtung Meer st√ľrzte und die Erde erzittern lie√ü.

Am 8. August 3.114 v. Chr. kreuzte die Erde die tauridische Kometenwolke. Die Erscheinung eines Meteoriten ist durchaus denkbar.

Ein Meteorit?

Die Sintflut entpuppt sich als ein punktuell klimatisches Ereignis gro√üen Ausma√ües. Ein Kataklysmus, der viele Menschen auf der ganzen Welt t√∂tete. Nach den Zeugnissen w√§re es eine Mega-Flut mit Salzwasser gewesen. Hinzugekommen w√§ren ein paar gigantische Wellen, die an einen Tsunami erinnert h√§tten, eine lange Sonnenfinsternis, Vulkanausbr√ľche, ein Sturm, der sechs Tage und sechs N√§chte gedauert h√§tte. Und nun ein Meteorit? Es gibt keinen Grund, die Aufrichtigkeit der gesammelten Geschichten in Frage zu stellen, aber wie ist es m√∂glich, dass ein einziges klimatisches Faktum so unterschiedliche Auspr√§gungen gehabt haben kann? Wie k√∂nnen wir diese Vielfalt an Informationen mit einer einzigen logischen Erkl√§rung verkn√ľpfen?

Weitere Informationen:

Es gibt sch√§tzungsweise 500 verschiedene Texte, die aus m√ľndlicher √úberlieferung stammen und die Sintflut beschreiben. Sie stammen von allen Kontinenten.

√úber Jahrhunderte hatten ‚ÄěGelehrte‚Äú ihr Ged√§chtnis geschult. Ein Gelehrter des sechzehnten Jahrhunderts wusste alles √ľber alle wissenschaftlichen Disziplinen und konnte auch einen Text, der so lang war wie die Ilias und die Odyssee, Wort f√ľr Wort rezitieren. Diese Auswendiglerntechniken und das Training gerieten in Vergessenheit, als sich der Buchdruck durchsetzte.

Vulkanische Explosionen schleudern Gase hoch in die Atmosphäre, aber auch in die Nähe des Vulkans. Dort verbindet sich Schwefel mit (Regen-) Wasser zu Schwefelsäure. Diese Regentropfen verbrennen die Haut. Andere verbinden sich mit Auswurfmaterial und bilden Teerderivate.

Die Indianer der amerikanischen Great Plains sagen, dass ihre Vorfahren aus dem Osten kamen, √ľber das Wasser, auf dem R√ľcken einer Art Riesenschildkr√∂te. Letztere k√∂nnte ein gro√ües Katamaran-Flo√ü gewesen sein, wie es die Menschen in Taiwan gerade entwickelt hatten. Das Genom der Amerindianer tr√§gt die Gene der Denisovianer.

1955, am Ende einer undenkbaren Expedition, fand der Franzose Navarra im Gletscher des Berges Ararat ein riesiges Holzboot dort unter dem Eis, wo die Bibel es vermutet. Er brachte ein St√ľck Balken zur√ľck, das er datierte. Entsprechend der damaligen Technik wurde die Kohlenstoff-14-Datierung verwendet. Dies war nicht die richtige Methode, da die Ankunft au√üerirdischer Elemente auf der Erde offensichtlich das Verh√§ltnis der Kohlenstoffisotope in der Luft verzerrt. Die Kohlenstoffdatierung war daher wahrscheinlich falsch, sie lieferte jedoch ein Ergebnis: 4.000 v. Chr. Diese Datierung, korrigiert mit inzwischen etablierten Tabellen, ergab ein j√ľngeres Datum: 3.116 v. Chr. Einige Leute fragen sich nun, ob das von Navarra mitgebrachte Holzst√ľck wirklich zu diesem Boot geh√∂rte, das seither nie wieder gefunden wurde.

Die F√ľllung des Schwarzen Meeres durch das Mittelmeer, als sich der Bosporus-Bruch √∂ffnete, fand 5.600 v. Chr. statt. 2.500 Jahre vor der Sintflut. Und dennoch‚Ķ Stellen Sie sich das √Ąquivalent von 200 Niagaraf√§llen nebeneinander vor, die 50 Milliarden Kubikmeter Salzwasser aussch√ľtten und 100 km weit zu h√∂ren sind! Die Kraft und das Get√∂se des Ereignisses m√ľssen die Einheimischen beeindruckt haben.


Die Zeugnisse erw√§hnen kein Volk, das √ľberlebt h√§tte. Es handelt sich immer um Paare, manchmal um Familien, oft um Einzelpersonen. Das spricht f√ľr eine sehr kleine Anzahl von √úberlebenden.

Wenn sie reif waren, platzten die √Ąhren des wilden Weizens und ihre Bestandteile wurden im Wind verstreut oder blieben an den Haaren der Tiere h√§ngen, die sie ber√ľhrten. Daher war es notwendig, dass die K√∂rner kurz vor der Reife geerntet wurden.

Es wurde geschätzt, dass 95 % der Insekten während der Sintflut starben.

√úber die Anzahl der √úberlebenden der Sintflut haben sich die Wissenschaftler nie einigen k√∂nnen. Auch die Geschlechterverteilung der √úberlebenden der Sintflut ist unbekannt, aber es wird angenommen, dass viele verhungerten, bevor sie sich an die einzige Lebensweise anpassen konnten, die ein √úberleben in den H√∂henlagen erm√∂glichte: Ackerbau und Viehzucht. Da die Sintflut im August stattfand, hatten die Menschen auf der Nordhalbkugel keine Zeit, bis zum ersten Winter Vorr√§te zu pflanzen und zu ernten. Durch den Vergleich der mitochondrialen DNA-Linien und der Y-Chromosomen errechnete Professor Karmin von der Universit√§t Tartu (Estland), dass zur Zeit der Sintflut von 17 Frauen, die sich in Europa fortpflanzten, nur ein Mann seine DNA erfolgreich weitergegeben hatte. Dieser ‚Äěgenetische Engpass‚Äú scheint also zu belegen, dass das √úberleben der Sintflut mehr eine Frage der Ausdauer gegen Hunger und K√§lte als der k√∂rperlichen Kraft war. Die physiologischen Fettreserven der Frauen im geb√§rf√§higen Alter (Haut, Brust, Ges√§√ü) w√§ren wohl entscheidend gewesen.


Ab 3.114 v. Chr. und nach der Sintflut

Vor der Sintflut lebte die gro√üe Mehrheit der Menschen vom Jagen und Sammeln. Unmittelbar nach der Katastrophe wurde die bis dahin un√ľbliche Lebensweise der Ackerbauern vorherrschend. Warum dieser pl√∂tzliche Wandel?

Ausbildung

Zweitausendzweihundert Meter √ľber dem Meeresspiegel gibt es nur wenige Orte auf der Erde, an denen man sich selbst mit Nahrungsmitteln versorgen kann. Hochgebirge und steile Berge sind f√ľr das Leben nicht geeignet, man kann nur auf Hochebenen √ľberleben. Au√üer in √Ąquatorn√§he wachsen in dieser H√∂he keine B√§ume mehr. Es gibt nur felsige Landschaften, die mit Weidefl√§chen durchsetzt sind, und keine W√§lder, so dass die Jagd nicht in Frage kommt. Einige wenige Gruppen von Menschen betrieben zweifelsohne eine sehr umfangreiche Ziegen- oder Schafzucht. Es wird angenommen, dass sie in einfachen Unterst√§nden oder H√∂hlen lebten. Die Herden stellten Reserven an Fleisch und Fellen dar, die lebend gelagert wurden.

Die wenigen √úberlebenden, die wie durch ein Wunder der Sintflut entkommen waren, fanden sich in diesem Hochland ein. Einige kamen von weit her. Die J√§ger kannten diese Umgebung nicht. Sie waren entwaffnet, ihr Wissen erlaubte es ihnen nicht, in dieser neuen Umgebung zu leben, wo die seltenen Tiere sie schon von weitem kommen sahen. Um sich zu ern√§hren, mussten sie sich an das Hochgebirge anpassen. Au√üer ein paar Beeren wachsen in diesen H√∂henlagen keine Fr√ľchte. Sie hatten keine andere Wahl, als die Lebensweise der wenigen Ureinwohner zu kopieren. Ihr √úberleben hing davon ab, wie schnell sie lernten, Kohl oder essbare Wurzelfr√ľchte zu z√ľchten und anzubauen.

Unter den Zur√ľckgebliebenen f√ľhrte die Notwendigkeit des √úberlebens zu einer unabdingbaren Zusammenarbeit. Sie waren gezwungen, ihre Kr√§fte zu b√ľndeln. Sie vermischten sich und b√ľndelten ihr Wissen.

Am Rande des Hochplateaus befand sich ein Wald aus abgelegten toten St√§mmen, darunter erstreckte sich eine unendliche Schlammw√ľste. In sechsundzwanzig Jahren hatte sich die Asche, die die Erde umkreiste, allm√§hlich auf dem Boden abgesetzt. Sie hatten den Schnee und das Eis verschmutzt. Mit Ru√ü bedeckt, reflektierten diese Oberfl√§chen kein Licht mehr. Sie hatten begonnen, die gesamte Strahlung zu absorbieren. Die Sonnenstrahlen drangen mehr und mehr in die Atmosph√§re ein. Die W√§lder waren verschwunden, sie spendeten dem Boden keinen Schatten mehr und erfrischten nicht mehr. Der Schlamm, der das Tiefland bedeckte, trocknete in der Sonne und gab eine unglaublich hei√üe und feuchte Atmosph√§re ab.

Der Meeresspiegel hatte sich stabilisiert. Die St√ľrme hatten Samen, Fr√ľchte und Kerne verstreut. Als sie sich zur√ľckzogen, hatte das Wasser sie auf dem Boden abgelagert. Ein Kompost, eine Mischung aus Pflanzen, Leichen, Erde und Wasser, bedeckte die Erde. Die Sonneneinstrahlung war maximal und die Atmosph√§re sehr feucht. Die Bedingungen waren ideal f√ľr die Keimung von Pflanzen: Unter den Hochebenen wuchsen spontan Gr√§ser und Str√§ucher nach. Die wenigen √ľberlebenden Vierbeiner fanden eine Lebensgrundlage. Sie vermehrten sich. Noch waren sie wenige.

Das Leben kehrte zur√ľck.

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